Revision [3501b5c]
Letzte Änderung am 2020-02-13 14:14:45 durch Oksana Neopagitova
ADDITIONS
### Fall Der "Tinkerbell"-Schrank

Thema: [Sachmängel](Sachmängel) [Leistungsstörungsrecht](Leistungsstörungsrecht)


Die Liebe zwischen B und seiner Sabrina (S) ist mittlerweile so groß geworden, dass sie nicht mehr ohne einander sein können.
Zwar tut es dem B in der Seele weh, aber die Trennung von der Schmalle-WG ist wohl unabwendbar. Im Zuge dieser neuen Entwicklung waren B und S auch schon unterwegs, um einen neuen Schrank zu kaufen, der den gemeinsamen Anforderungen an den neuen Haushalt gerecht werden soll.
Fündig geworden sind sie dabei beim schwedischen Kaufhaus _Smörebrödd_ . Es soll der Schrank _Tinkerbell_ werden.
Nach einer Woche Bedenkzeit kauft B den Schrank und nimmt ihn gleich auf dem von O ausgeliehenen Hänger mit zur neuen Wohnung, um ihn dort aufzubauen. Da warten bereits A und C, die den B zwar schon jetzt vermissen, aber ihm den Abschied auch vergolden wollen. Davon abgesehen, sind beide, wie auch B, erfahrene _Smörebrödd_ -Hobbyaufbauer - immerhin haben sie ihre Studenteneinrichtung auch zu 50 Prozent aus _Smörebrödd_ -Produkten zusammengestellt.
Beim Aufbau bemerken sie allerdings, dass _Tinkerbell_ wohl eher zur "Problem-Zone" wird. Die Anleitung ist mehr als kryptisch. Teile, die nicht aufgeführt sind, haben sie als Zubehör im Umfang, andere, die sie laut Anleitung bräuchten, sind nicht mitgeliefert. Nach 3 Stunden steht fest: _Tinkerbell_ ist so nicht für die 3 Freunde zu stemmen.
S kann das Elend der drei nicht mehr mit ansehen und schlägt B vor, einen Profihandwerker zu bestellen. Sie kennt den W noch von einem Auftrag bei ihren Eltern. Schnell ist B von der Idee überzeugt und ruft den W an. W kommt auch am nächsten Tag und baut den Schrank einzig anhand der von _Smörebrödd_ gelieferten Materialien korrekt und fehlerfrei auf. Die Kosten für die Arbeit des W belaufen sich auf 180 Euro, die der B bezahlt.

B will nun das Geld von _Smörebrödd_ zurück, da er der Meinung ist, dass der Schrank wegen der Anleitung nicht aufzubauen war und er nur aus diesem Grund den W bestellt hat und auch bezahlen musste. Welche Ansprüche könnten dem B zustehen?



<span style="text-decoration:underline;"> **Lösung**</span>

B könnte gegen Smörebrödd einen Anspruch auf Schadenersatz nach §§ 433, 437 Nr. 3 Alt.1 i.V.m. § 280 I u. III, 281 I S. 1 BGB haben.


>><span style="text-decoration:underline;"> **I. Voraussetzungen des § 281 I S. 1 BGB**</span>

>><span style="text-decoration:underline;">1. Voraussetzungen des § 280 I BGB</span>


>> _1.1 Wirksamer KV_ (+)
>>* zunächst müsste wirksames Schuldverhältnis vorliegen
>>* hier wurde lt. SV eine wirksamer Kaufvertrag zwischen B und Schmörebrödd geschlossen


>> _1.2 Pflichtverletzung_
>>* nicht wie geschuldet erbrachte Leistung,
>>* hier im Sinne eines Sachmangels gem. [**§ 434 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__434.html)


>>>a. Sachmangel bezüglich des Schranks gem. § 434 I BGB
>>>* fällt aus, da spätestens durch den Aufbau des W der Schrank korrekt und ohne Zusatzmaterial aufgebaut wurde


>>>b. Sachmangel gem. § 434 II S. 2 1. HS BGB
>>>* liegt vor, wenn bei einer zur Montage bestimmten Sache &#8222;die Montageanleitung mangelhaft ist&#8220;
>>>* Montage = alle zu vertraglichen Gebrauch der Kaufsache notwendigen Handlungen, insbesondere Zusammenbau von
>>> Einzelteilen, Anschluss, Aufstellung, Einbau am vereinbarten Ort
>>>* zur Montage bestimmt, wenn der Käufer bei Vertragsschluss wusste, dass zum bestimmungsgemäßen Gebrauch der
>>> Kaufsache eine Montage notwendig ist
>>>* Montageanleitung wird vom Gesetz in allen erforderlichen Fällen der Montage vorausgesetzt
>>>* Montageanleitung mangelhaft: aus dem Käuferhorizont abzuleiten
>>>* dann mangelhaft, wenn sie nicht den ganz überwiegenden Teil der Käufer auf Anhieb zur fehlerfreien Montage befähigt
>>>* vorliegend waren A, B und C vormals erfolgreiche Hobbymonteure von Smöredbrödd-Produkten, aber diesen Schrank
>>> konnten selbst alle drei anhand der Montageanleitung nicht zusammen bauen
>>>* folglich ist davon auszugehen, dass hier auch keine Situation vorlag, die bescheinigt, dass der ganz überwiegende Teil
>>> der Käuferschaft den Schrank problemlos anhand der Montageanleitung hätte aufbauen können
>>>* Sachmangel im Sinne des § 434 II S. 2 1. HS BGB liegt vor


>>>c. Problem: spezielle Ausnahme des § 434 II S. 2 2. HS BGB
>>>* hier: § 434 Abs. 2 S.2 BGB liefert einen Sachmangel auch bei einer mangelhaften Montageanleitung, ABER:
>>>* nur wenn nicht fehlerfrei montiert worden ist, § 434 Abs.2 S.2, 2. HS BGB
>>>* als Maßstab dient der durchschnittlich begabte Hobbyheimwerker (+)
>>>* aber letztlich wurde der Schrank aufgebaut, fehlerfrei durch den W
>>>* man könnte hier bereits den Anspruch des B scheitern lassen, einfach an
>>>* dem Punkt, dass fehlerfrei montiert wurde, egal von wem
>>>* wenn nicht, dann weitere Prüfung


>> _1.3 Vertretenmüssen des Schuldners_
>>>* hier keine Schwierigkeiten, die Anleitung von Smörebrödd war mangelhaft, B konnte den Schrank
>>> gerade NICHT allein und unproblematisch aufbauen
>>>* darüber hinaus war eben auch niemand anderes für die fehlerhafte Anleitung verantwortlich als Smörebrödd,
>>> die sie mit dem Schrank zusammen ausgaben
>>>* mangels anders lautender Angaben im SV davon auszugehen, dass Smörebrödd die Pflichtverletzung zu vertreten hat


>><span style="text-decoration:underline;">2. weitere Voraussetzungen des § 281 I S. 1 BGB</span>


>> _2.1 ausbleiben Nacherfüllung durch Smörebrödd gem. [**§ 281 S. 1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__281.html) (+),_
>>>* ja, Nacherfüllung durch Smörebrödd blieb aus, allerdings aufgrund des Handels von B und W, wodurch Nacherfüllung
>>> ihrem Zweck nach unmöglich wurde
>>>* dennoch im Ergebnis: keine Nacherfüllung durch Smörebrödd, aber:

>> _2.2 Fristsetzung zur Nacherfüllung gem. § 281 I S. 1 BGB von B ggü Smörebrödd_ (-)
>>>* keine Fristsetzung durch B ggü Smörebrödd zur Nacherfüllung
>>>* folglich wäre Anspruch hier aufgrund der der fehlenden Fristsetzung des B nicht entstanden, aber:


>> _2.3 Entbehrlichkeit der Fristsetzung_
>>>* ggf. war die Fristsetzung durch B aber entbehrlich, dies wäre gem. § 281 II und III möglich

>>>a. ernsthafte u. endgültige Leistungsverweigerung durch Smörebrödd, gem. § 281 III Alt.1 (-)
>>>* dazu müsste Smörebrödd nach Aufforderung des B die Leistung bzw. Nacherfüllung vollends verweigert haben
>>>* dazu im SV keinerlei Angaben, im Gegenteil, B verlangte dies gar nicht von Smörebrödd
>>>* ließ gleich den W zum Aufbau kommen


>>>b. besondere Rechtfertigung, gem. § 281 Alt.2 (-)
>>>* läge bspw. beim arglistigen Verschweigen eines Mangels hinsichtlich der Kaufsache durch den Verkäufer vor
>>>* weiteres Beispiel: Verzug des Schuldners, wenn es sich um einen &#8222;Just-in-Time&#8220;-Vertrag handelt
>>>(ein Verzug also, der aufgrund der Wichtigkeit des Termins unentschuldbar ist!, Bsp. Handel mit schnell verderblicher Ware)


>>>c. Verweigerung der Nachleistungsarten § 439 III (-)
>>>* zur Verweigerung müsste der Käufer zunächst in irgendeiner Art Nacherfüllung vom Verkäufer gefordert haben
>>>* wie bereits oben dargestellt, hat B gar keine Nacherfüllung verlangt, folglich kann auch keine Verweigerung seitens
>>> Smörebrödd vorliegen



>> **<span style="text-decoration:underline;">II. Gesamtergebnis</span>**

B hat keinen Anspruch auf Zahlung des Schadensersatze gem. §§ 433, 437 Nr. 3 1. Alt, 280 I, III, 281 I S. 1 BGB
DELETIONS
### Fall Der "Tinkerbell"-Schrank
Thema: [Sachmängel](Sachmängel) [Leistungsstörungsrecht](Leistungsstörungsrecht)
Die Liebe zwischen B und seiner Sabrina (S) ist mittlerweile so groß geworden, dass sie nicht mehr ohne einander sein können.
Zwar tut es dem B in der Seele weh, aber die Trennung von der Schmalle-WG ist wohl unabwendbar. Im Zuge dieser neuen Entwicklung waren B und S auch schon unterwegs, um einen neuen Schrank zu kaufen, der den gemeinsamen Anforderungen an den neuen Haushalt gerecht werden soll.
Fündig geworden sind sie dabei beim schwedischen Kaufhaus _Smörebrödd_ . Es soll der Schrank _Tinkerbell_ werden.
Nach einer Woche Bedenkzeit kauft B den Schrank und nimmt ihn gleich auf dem von O ausgeliehenen Hänger mit zur neuen Wohnung, um ihn dort aufzubauen. Da warten bereits A und C, die den B zwar schon jetzt vermissen, aber ihm den Abschied auch vergolden wollen. Davon abgesehen, sind beide, wie auch B, erfahrene _Smörebrödd_ -Hobbyaufbauer - immerhin haben sie ihre Studenteneinrichtung auch zu 50 Prozent aus _Smörebrödd_ -Produkten zusammengestellt.
Beim Aufbau bemerken sie allerdings, dass _Tinkerbell_ wohl eher zur "Problem-Zone" wird. Die Anleitung ist mehr als kryptisch. Teile, die nicht aufgeführt sind, haben sie als Zubehör im Umfang, andere, die sie laut Anleitung bräuchten, sind nicht mitgeliefert. Nach 3 Stunden steht fest: _Tinkerbell_ ist so nicht für die 3 Freunde zu stemmen.
S kann das Elend der drei nicht mehr mit ansehen und schlägt B vor, einen Profihandwerker zu bestellen. Sie kennt den W noch von einem Auftrag bei ihren Eltern. Schnell ist B von der Idee überzeugt und ruft den W an. W kommt auch am nächsten Tag und baut den Schrank einzig anhand der von _Smörebrödd_ gelieferten Materialien korrekt und fehlerfrei auf. Die Kosten für die Arbeit des W belaufen sich auf 180 Euro, die der B bezahlt.
B will nun das Geld von _Smörebrödd_ zurück, da er der Meinung ist, dass der Schrank wegen der Anleitung nicht aufzubauen war und er nur aus diesem Grund den W bestellt hat und auch bezahlen musste. Welche Ansprüche könnten dem B zustehen?
<span style="text-decoration:underline;"> **Lösung**</span>
B könnte gegen Smörebrödd einen Anspruch auf Schadenersatz nach §§ 433, 437 Nr. 3 Alt.1 i.V.m. § 280 I u. III, 281 I S. 1 BGB haben.
>><span style="text-decoration:underline;"> **I. Voraussetzungen des § 281 I S. 1 BGB**</span>

>><span style="text-decoration:underline;">1. Voraussetzungen des § 280 I BGB</span>
>> _1.1 Wirksamer KV_ (+)
>>* zunächst müsste wirksames Schuldverhältnis vorliegen
>>* hier wurde lt. SV eine wirksamer Kaufvertrag zwischen B und Schmörebrödd geschlossen
>> _1.2 Pflichtverletzung_
>>* nicht wie geschuldet erbrachte Leistung,
>>* hier im Sinne eines Sachmangels gem. [**§ 434 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__434.html)
>>>a. Sachmangel bezüglich des Schranks gem. § 434 I BGB
>>>* fällt aus, da spätestens durch den Aufbau des W der Schrank korrekt und ohne Zusatzmaterial aufgebaut wurde
>>>b. Sachmangel gem. § 434 II S. 2 1. HS BGB
>>>* liegt vor, wenn bei einer zur Montage bestimmten Sache &#8222;die Montageanleitung mangelhaft ist&#8220;
>>>* Montage = alle zu vertraglichen Gebrauch der Kaufsache notwendigen Handlungen, insbesondere Zusammenbau von
>>> Einzelteilen, Anschluss, Aufstellung, Einbau am vereinbarten Ort
>>>* zur Montage bestimmt, wenn der Käufer bei Vertragsschluss wusste, dass zum bestimmungsgemäßen Gebrauch der
>>> Kaufsache eine Montage notwendig ist
>>>* Montageanleitung wird vom Gesetz in allen erforderlichen Fällen der Montage vorausgesetzt
>>>* Montageanleitung mangelhaft: aus dem Käuferhorizont abzuleiten
>>>* dann mangelhaft, wenn sie nicht den ganz überwiegenden Teil der Käufer auf Anhieb zur fehlerfreien Montage befähigt
>>>* vorliegend waren A, B und C vormals erfolgreiche Hobbymonteure von Smöredbrödd-Produkten, aber diesen Schrank
>>> konnten selbst alle drei anhand der Montageanleitung nicht zusammen bauen
>>>* folglich ist davon auszugehen, dass hier auch keine Situation vorlag, die bescheinigt, dass der ganz überwiegende Teil
>>> der Käuferschaft den Schrank problemlos anhand der Montageanleitung hätte aufbauen können
>>>* Sachmangel im Sinne des § 434 II S. 2 1. HS BGB liegt vor
>>>c. Problem: spezielle Ausnahme des § 434 II S. 2 2. HS BGB
>>>* hier: § 434 Abs. 2 S.2 BGB liefert einen Sachmangel auch bei einer mangelhaften Montageanleitung, ABER:
>>>* nur wenn nicht fehlerfrei montiert worden ist, § 434 Abs.2 S.2, 2. HS BGB
>>>* als Maßstab dient der durchschnittlich begabte Hobbyheimwerker (+)
>>>* aber letztlich wurde der Schrank aufgebaut, fehlerfrei durch den W
>>>* man könnte hier bereits den Anspruch des B scheitern lassen, einfach an
>>>* dem Punkt, dass fehlerfrei montiert wurde, egal von wem
>>>* wenn nicht, dann weitere Prüfung

>> _1.3 Vertretenmüssen des Schuldners_
>>>* hier keine Schwierigkeiten, die Anleitung von Smörebrödd war mangelhaft, B konnte den Schrank
>>> gerade NICHT allein und unproblematisch aufbauen
>>>* darüber hinaus war eben auch niemand anderes für die fehlerhafte Anleitung verantwortlich als Smörebrödd,
>>> die sie mit dem Schrank zusammen ausgaben
>>>* mangels anders lautender Angaben im SV davon auszugehen, dass Smörebrödd die Pflichtverletzung zu vertreten hat
>><span style="text-decoration:underline;">2. weitere Voraussetzungen des § 281 I S. 1 BGB</span>
>> _2.1 ausbleiben Nacherfüllung durch Smörebrödd gem. [**§ 281 S. 1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__281.html) (+),_
>>>* ja, Nacherfüllung durch Smörebrödd blieb aus, allerdings aufgrund des Handels von B und W, wodurch Nacherfüllung
>>> ihrem Zweck nach unmöglich wurde
>>>* dennoch im Ergebnis: keine Nacherfüllung durch Smörebrödd, aber:

>> _2.2 Fristsetzung zur Nacherfüllung gem. § 281 I S. 1 BGB von B ggü Smörebrödd_ (-)
>>>* keine Fristsetzung durch B ggü Smörebrödd zur Nacherfüllung
>>>* folglich wäre Anspruch hier aufgrund der der fehlenden Fristsetzung des B nicht entstanden, aber:
>> _2.3 Entbehrlichkeit der Fristsetzung_
>>>* ggf. war die Fristsetzung durch B aber entbehrlich, dies wäre gem. § 281 II und III möglich
>>>a. ernsthafte u. endgültige Leistungsverweigerung durch Smörebrödd, gem. § 281 III Alt.1 (-)
>>>* dazu müsste Smörebrödd nach Aufforderung des B die Leistung bzw. Nacherfüllung vollends verweigert haben
>>>* dazu im SV keinerlei Angaben, im Gegenteil, B verlangte dies gar nicht von Smörebrödd
>>>* ließ gleich den W zum Aufbau kommen

>>>b. besondere Rechtfertigung, gem. § 281 Alt.2 (-)
>>>* läge bspw. beim arglistigen Verschweigen eines Mangels hinsichtlich der Kaufsache durch den Verkäufer vor
>>>* weiteres Beispiel: Verzug des Schuldners, wenn es sich um einen &#8222;Just-in-Time&#8220;-Vertrag handelt
>>>(ein Verzug also, der aufgrund der Wichtigkeit des Termins unentschuldbar ist!, Bsp. Handel mit schnell verderblicher Ware)
>>>c. Verweigerung der Nachleistungsarten § 439 III (-)
>>>* zur Verweigerung müsste der Käufer zunächst in irgendeiner Art Nacherfüllung vom Verkäufer gefordert haben
>>>* wie bereits oben dargestellt, hat B gar keine Nacherfüllung verlangt, folglich kann auch keine Verweigerung seitens
>>> Smörebrödd vorliegen
>> **<span style="text-decoration:underline;">II. Gesamtergebnis</span>**

B hat keinen Anspruch auf Zahlung des Schadensersatze gem. §§ 433, 437 Nr. 3 1. Alt, 280 I, III, 281 I S. 1 BGB
***
CategoryWIPR2Faelle
Revision [5185731]
Bearbeitet am 2015-04-23 18:58:04 von JKramer
ADDITIONS
### Fall Der "Tinkerbell"-Schrank
DELETIONS
### FALL 6 Der "Tinkerbell"-Schrank
Revision [dc48e09]
Bearbeitet am 2013-06-20 19:20:55 von AnnegretMordhorst
ADDITIONS
***
CategoryWIPR2Faelle
Revision [54cf796]
Bearbeitet am 2013-06-20 15:30:42 von MartinEbert
ADDITIONS
Die Liebe zwischen B und seiner Sabrina (S) ist mittlerweile so groß geworden, dass sie nicht mehr ohne einander sein können.
Zwar tut es dem B in der Seele weh, aber die Trennung von der Schmalle-WG ist wohl unabwendbar. Im Zuge dieser neuen Entwicklung waren B und S auch schon unterwegs, um einen neuen Schrank zu kaufen, der den gemeinsamen Anforderungen an den neuen Haushalt gerecht werden soll.
Fündig geworden sind sie dabei beim schwedischen Kaufhaus _Smörebrödd_ . Es soll der Schrank _Tinkerbell_ werden.
Nach einer Woche Bedenkzeit kauft B den Schrank und nimmt ihn gleich auf dem von O ausgeliehenen Hänger mit zur neuen Wohnung, um ihn dort aufzubauen. Da warten bereits A und C, die den B zwar schon jetzt vermissen, aber ihm den Abschied auch vergolden wollen. Davon abgesehen, sind beide, wie auch B, erfahrene _Smörebrödd_ -Hobbyaufbauer - immerhin haben sie ihre Studenteneinrichtung auch zu 50 Prozent aus _Smörebrödd_ -Produkten zusammengestellt.
Beim Aufbau bemerken sie allerdings, dass _Tinkerbell_ wohl eher zur "Problem-Zone" wird. Die Anleitung ist mehr als kryptisch. Teile, die nicht aufgeführt sind, haben sie als Zubehör im Umfang, andere, die sie laut Anleitung bräuchten, sind nicht mitgeliefert. Nach 3 Stunden steht fest: _Tinkerbell_ ist so nicht für die 3 Freunde zu stemmen.
S kann das Elend der drei nicht mehr mit ansehen und schlägt B vor, einen Profihandwerker zu bestellen. Sie kennt den W noch von einem Auftrag bei ihren Eltern. Schnell ist B von der Idee überzeugt und ruft den W an. W kommt auch am nächsten Tag und baut den Schrank einzig anhand der von _Smörebrödd_ gelieferten Materialien korrekt und fehlerfrei auf. Die Kosten für die Arbeit des W belaufen sich auf 180 Euro, die der B bezahlt.
B will nun das Geld von _Smörebrödd_ zurück, da er der Meinung ist, dass der Schrank wegen der Anleitung nicht aufzubauen war und er nur aus diesem Grund den W bestellt hat und auch bezahlen musste. Welche Ansprüche könnten dem B zustehen?
<span style="text-decoration:underline;"> **Lösung**</span>
B könnte gegen Smörebrödd einen Anspruch auf Schadenersatz nach §§ 433, 437 Nr. 3 Alt.1 i.V.m. § 280 I u. III, 281 I S. 1 BGB haben.
>><span style="text-decoration:underline;"> **I. Voraussetzungen des § 281 I S. 1 BGB**</span>

>><span style="text-decoration:underline;">1. Voraussetzungen des § 280 I BGB</span>
>> _1.1 Wirksamer KV_ (+)
>>* zunächst müsste wirksames Schuldverhältnis vorliegen
>>* hier wurde lt. SV eine wirksamer Kaufvertrag zwischen B und Schmörebrödd geschlossen
>> _1.2 Pflichtverletzung_
>>* nicht wie geschuldet erbrachte Leistung,
>>* hier im Sinne eines Sachmangels gem. [**§ 434 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__434.html)
>>>a. Sachmangel bezüglich des Schranks gem. § 434 I BGB
>>>* fällt aus, da spätestens durch den Aufbau des W der Schrank korrekt und ohne Zusatzmaterial aufgebaut wurde
>>>b. Sachmangel gem. § 434 II S. 2 1. HS BGB
>>>* liegt vor, wenn bei einer zur Montage bestimmten Sache &#8222;die Montageanleitung mangelhaft ist&#8220;
>>>* Montage = alle zu vertraglichen Gebrauch der Kaufsache notwendigen Handlungen, insbesondere Zusammenbau von
>>> Einzelteilen, Anschluss, Aufstellung, Einbau am vereinbarten Ort
>>>* zur Montage bestimmt, wenn der Käufer bei Vertragsschluss wusste, dass zum bestimmungsgemäßen Gebrauch der
>>> Kaufsache eine Montage notwendig ist
>>>* Montageanleitung wird vom Gesetz in allen erforderlichen Fällen der Montage vorausgesetzt
>>>* Montageanleitung mangelhaft: aus dem Käuferhorizont abzuleiten
>>>* dann mangelhaft, wenn sie nicht den ganz überwiegenden Teil der Käufer auf Anhieb zur fehlerfreien Montage befähigt
>>>* vorliegend waren A, B und C vormals erfolgreiche Hobbymonteure von Smöredbrödd-Produkten, aber diesen Schrank
>>> konnten selbst alle drei anhand der Montageanleitung nicht zusammen bauen
>>>* folglich ist davon auszugehen, dass hier auch keine Situation vorlag, die bescheinigt, dass der ganz überwiegende Teil
>>> der Käuferschaft den Schrank problemlos anhand der Montageanleitung hätte aufbauen können
>>>* Sachmangel im Sinne des § 434 II S. 2 1. HS BGB liegt vor
>>>c. Problem: spezielle Ausnahme des § 434 II S. 2 2. HS BGB
>>>* hier: § 434 Abs. 2 S.2 BGB liefert einen Sachmangel auch bei einer mangelhaften Montageanleitung, ABER:
>>>* nur wenn nicht fehlerfrei montiert worden ist, § 434 Abs.2 S.2, 2. HS BGB
>>>* als Maßstab dient der durchschnittlich begabte Hobbyheimwerker (+)
>>>* aber letztlich wurde der Schrank aufgebaut, fehlerfrei durch den W
>>>* man könnte hier bereits den Anspruch des B scheitern lassen, einfach an
>>>* dem Punkt, dass fehlerfrei montiert wurde, egal von wem
>>>* wenn nicht, dann weitere Prüfung

>> _1.3 Vertretenmüssen des Schuldners_
>>>* hier keine Schwierigkeiten, die Anleitung von Smörebrödd war mangelhaft, B konnte den Schrank
>>> gerade NICHT allein und unproblematisch aufbauen
>>>* darüber hinaus war eben auch niemand anderes für die fehlerhafte Anleitung verantwortlich als Smörebrödd,
>>> die sie mit dem Schrank zusammen ausgaben
>>>* mangels anders lautender Angaben im SV davon auszugehen, dass Smörebrödd die Pflichtverletzung zu vertreten hat
>><span style="text-decoration:underline;">2. weitere Voraussetzungen des § 281 I S. 1 BGB</span>
>> _2.1 ausbleiben Nacherfüllung durch Smörebrödd gem. [**§ 281 S. 1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__281.html) (+),_
>>>* ja, Nacherfüllung durch Smörebrödd blieb aus, allerdings aufgrund des Handels von B und W, wodurch Nacherfüllung
>>> ihrem Zweck nach unmöglich wurde
>>>* dennoch im Ergebnis: keine Nacherfüllung durch Smörebrödd, aber:

>> _2.2 Fristsetzung zur Nacherfüllung gem. § 281 I S. 1 BGB von B ggü Smörebrödd_ (-)
>>>* keine Fristsetzung durch B ggü Smörebrödd zur Nacherfüllung
>>>* folglich wäre Anspruch hier aufgrund der der fehlenden Fristsetzung des B nicht entstanden, aber:
>> _2.3 Entbehrlichkeit der Fristsetzung_
>>>* ggf. war die Fristsetzung durch B aber entbehrlich, dies wäre gem. § 281 II und III möglich
>>>a. ernsthafte u. endgültige Leistungsverweigerung durch Smörebrödd, gem. § 281 III Alt.1 (-)
>>>* dazu müsste Smörebrödd nach Aufforderung des B die Leistung bzw. Nacherfüllung vollends verweigert haben
>>>* dazu im SV keinerlei Angaben, im Gegenteil, B verlangte dies gar nicht von Smörebrödd
>>>* ließ gleich den W zum Aufbau kommen

>>>b. besondere Rechtfertigung, gem. § 281 Alt.2 (-)
>>>* läge bspw. beim arglistigen Verschweigen eines Mangels hinsichtlich der Kaufsache durch den Verkäufer vor
>>>* weiteres Beispiel: Verzug des Schuldners, wenn es sich um einen &#8222;Just-in-Time&#8220;-Vertrag handelt
>>>(ein Verzug also, der aufgrund der Wichtigkeit des Termins unentschuldbar ist!, Bsp. Handel mit schnell verderblicher Ware)
>>>c. Verweigerung der Nachleistungsarten § 439 III (-)
>>>* zur Verweigerung müsste der Käufer zunächst in irgendeiner Art Nacherfüllung vom Verkäufer gefordert haben
>>>* wie bereits oben dargestellt, hat B gar keine Nacherfüllung verlangt, folglich kann auch keine Verweigerung seitens
>>> Smörebrödd vorliegen
>> **<span style="text-decoration:underline;">II. Gesamtergebnis</span>**

B hat keinen Anspruch auf Zahlung des Schadensersatze gem. §§ 433, 437 Nr. 3 1. Alt, 280 I, III, 281 I S. 1 BGB
DELETIONS
<span style="text-decoration:underline;">Grundfall</span>
Die Liebe zwischen B und seiner Sabrina (S) ist mittlerweile so groß geworden, dass sie nicht mehr ohne einander sein können. Zwar tut es dem B in der Seele weh, aber die Trennung von der Schmalle-WG ist wohl unabwendbar. Im Zuge dieser neuen Entwicklung waren B und S auch schon unterwegs, um einen neuen Schrank zu kaufen, der den gemeinsamen Anforderungen an den neuen Haushalt gerecht werden soll. Fündig geworden sind sie dabei beim schwedischen Kaufhaus _Smörebrödd_ . Es soll der Schrank "Tinkerbell" werden.
Nach einer Woche Bedenkzeit kauft B den Schrank und nimmt ihn gleich, auf dem von O ausgeliehenen Hänger, mit zur neuen Wohnung, um ihn dort aufzubauen. Da warten bereits A und C, die den B zwar schon jetzt vermissen, aber ihm den Abschied auch vergolden wollen. Davon abgesehen, sind beide, wie auch B, erfahrene _Smörebrödd_ -Hobbyaufbauer - immerhin haben sie ihre Studenteneinrichtung auch zu 50 Prozent aus _Smörebrödd_ -Produkten zusammengestellt.
Beim Aufbau bemerken sie allerdings, dass "Tinkerbell" wohl eher zur "Problem-Zone" wird. Die Anleitung ist mehr als kryptisch. Teile, die nicht aufgeführt sind, haben sie als Zubehör im Umfang, andere, die sie laut Anleitung bräuchten, sind nicht mitgeliefert worden. Nach 3 Stunden steht fest: "Tinkerbell" ist so nicht für die 3 Freunde zu stemmen.
S kann das Elend der drei nicht mehr mit ansehen und schlägt B vor, einen Profihandwerker zu bestellen. Sie kennt den W noch von einem Auftrag bei ihren Eltern. Schnell ist B von der Idee überzeugt und ruft den W an. W kommt auch am nächsten Tag und baut den Schrank anhand der von _Smörebrödd_ gelieferten Materialien korrekt auf. Die Kosten für die Arbeit des W belaufen sich auf 180 Euro, die der B bezahlt.
B will nun das Geld von _Smörebrödd_ zurück, da er der Meinung ist, dass der Schrank nicht aufzubauen war und er nur aus diesem Grund den W bestellt hat und bezahlen musste.
**Welche Ansprüche könnten dem B zustehen?**
(Hier ist, anders als noch angekündigt, KEIN ABG-Recht zu prüfen. Das wir in der 2. Variante dieses Falles thematisiert werden.)
Revision [7921df1]
Bearbeitet am 2013-06-16 09:07:10 von MartinEbert
ADDITIONS
<span style="text-decoration:underline;">Grundfall</span>
S kann das Elend der drei nicht mehr mit ansehen und schlägt B vor, einen Profihandwerker zu bestellen. Sie kennt den W noch von einem Auftrag bei ihren Eltern. Schnell ist B von der Idee überzeugt und ruft den W an. W kommt auch am nächsten Tag und baut den Schrank anhand der von _Smörebrödd_ gelieferten Materialien korrekt auf. Die Kosten für die Arbeit des W belaufen sich auf 180 Euro, die der B bezahlt.
DELETIONS
Grundfall
S kann das Elend der drei nicht mehr mit ansehen und schlägt B vor, einen Profihandwerker zu bestellen. Sie kennt den W noch von einem Auftrag bei ihren Eltern. Schnell ist B von der Idee überzeugt und ruft den W an. W kommt auch am nächsten Tag und baut den Schrank auf. Die Kosten für die Arbeit des W belaufen sich auf 180 Euro, die der B bezahlt.
Revision [6a60b00]
Die älteste bekannte Version dieser Seite wurde von MartinEbert am 2013-06-15 19:33:11 erstellt
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### FALL 6 Der "Tinkerbell"-Schrank
Thema: [Sachmängel](Sachmängel) [Leistungsstörungsrecht](Leistungsstörungsrecht)
Grundfall
Die Liebe zwischen B und seiner Sabrina (S) ist mittlerweile so groß geworden, dass sie nicht mehr ohne einander sein können. Zwar tut es dem B in der Seele weh, aber die Trennung von der Schmalle-WG ist wohl unabwendbar. Im Zuge dieser neuen Entwicklung waren B und S auch schon unterwegs, um einen neuen Schrank zu kaufen, der den gemeinsamen Anforderungen an den neuen Haushalt gerecht werden soll. Fündig geworden sind sie dabei beim schwedischen Kaufhaus _Smörebrödd_ . Es soll der Schrank "Tinkerbell" werden.
Nach einer Woche Bedenkzeit kauft B den Schrank und nimmt ihn gleich, auf dem von O ausgeliehenen Hänger, mit zur neuen Wohnung, um ihn dort aufzubauen. Da warten bereits A und C, die den B zwar schon jetzt vermissen, aber ihm den Abschied auch vergolden wollen. Davon abgesehen, sind beide, wie auch B, erfahrene _Smörebrödd_ -Hobbyaufbauer - immerhin haben sie ihre Studenteneinrichtung auch zu 50 Prozent aus _Smörebrödd_ -Produkten zusammengestellt.
Beim Aufbau bemerken sie allerdings, dass "Tinkerbell" wohl eher zur "Problem-Zone" wird. Die Anleitung ist mehr als kryptisch. Teile, die nicht aufgeführt sind, haben sie als Zubehör im Umfang, andere, die sie laut Anleitung bräuchten, sind nicht mitgeliefert worden. Nach 3 Stunden steht fest: "Tinkerbell" ist so nicht für die 3 Freunde zu stemmen.
S kann das Elend der drei nicht mehr mit ansehen und schlägt B vor, einen Profihandwerker zu bestellen. Sie kennt den W noch von einem Auftrag bei ihren Eltern. Schnell ist B von der Idee überzeugt und ruft den W an. W kommt auch am nächsten Tag und baut den Schrank auf. Die Kosten für die Arbeit des W belaufen sich auf 180 Euro, die der B bezahlt.
B will nun das Geld von _Smörebrödd_ zurück, da er der Meinung ist, dass der Schrank nicht aufzubauen war und er nur aus diesem Grund den W bestellt hat und bezahlen musste.
**Welche Ansprüche könnten dem B zustehen?**
(Hier ist, anders als noch angekündigt, KEIN ABG-Recht zu prüfen. Das wir in der 2. Variante dieses Falles thematisiert werden.)