Revision [595c28a]
Letzte Änderung am 2020-06-25 12:07:28 durch Oksana Neopagitova
ADDITIONS
#### **Fallbeispiel 8 - Weihnachtsgeschenk**
DELETIONS
### Fallbeispiel 8 - Weihnachtsgeschenk
Revision [d7134d3]
Bearbeitet am 2020-02-12 16:38:11 von Oksana Neopagitova
ADDITIONS
### Fallbeispiel 8 - Weihnachtsgeschenk


##### Widerruf von Willenserklärungen


##### A. Sachverhalt

Antonius (A) hat noch immer kein Weihnachtsgeschenk für seine Freundin Constanze (C). Da C ein großer Tierfreund ist, bestellt A beim Schmuckhändler (S) eine Kette mit einem Schildkröten-Anhänger zum Kaufpreis von 389 €. Das Fax sendet A um 11.00 Uhr morgens ab. Als A von Karola (K), der besten Freundin der C erfährt, dass auch sie der C diese Kette schenken möchte, schickt A um 15.00 Uhr ein weiteres Fax an S um seine Bestellung zu stornieren. Die Schreiben werden jeweils wenige Minuten nach dem Absenden durch das Faxgeräte bei S ausgedruckt. Aufgrund des Vorweihnachtstrubels ist S jedoch so sehr in seine Arbeit vertieft, dass er erst gegen 16.00 Uhr beide Faxe aus der Ablage des Faxgerätes entnimmt. Da diese oben auf liegt, liest S zunächst die Stornierung und erst dann die Bestellung, die A bereits um 11.00 versandt hatte.
S ist überzeugt, dass die Stornierung unwirksam ist, da diese unzweifelhaft erst nach der Bestellung bei ihm eingegangen sei. Dies könne man der aufgedruckten Eingangszeit der Faxe eindeutig entnehmen. Er verlangt von A daher die Zahlung des Kaufpreises sowie die Abnahme der Kette.

**<span style="text-decoration:underline;">Abwandlung</span>**

A entdeckt im Katalog des Schmuckhändlers S die Kette für 389 &#8364;. Er entschließt sich spontan diese für seine Freundin C zu kaufen und schickt um 22.00 Uhr ein Fax mit der Bestellung an S. Eine Stunde später erfährt er von K, dass sie eine ähnliche Kette bei einem anderen Anbieter P für 359 &#8364; gesehen hat. Er schickt daher um 23.00 Uhr einen Widerruf an S und bestellt die Kette bei P. Am nächsten Morgen sieht S die Bestellung der Kette und den Widerruf. S verlangt die Zahlung des Kaufpreises sowie die Abnahme der Kette.


##### B. Frage(n)

Zu Recht?



##### C. Lösung



##### 1. Lösungsskizze

Zu Recht?
Anspruchsgrundlage: [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)
Vor.: Anspruch erworben, nicht verloren und durchsetzbar

**A. Anspruch erworben?**
Voraussetzung: zwischen S und A Vertrag geschlossen, inhaltlich KV i.S.d. [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) und dieser wirksam


>> **I. Vertragsschluss**
>>Vor.: zwei übereinstimmende Willenserklärungen; Angebot ([**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html)) und Annahme ([**§ 147 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__147.html)); Annahme muss zu Zeitpunkt erfolgen, in der Angebot noch bindend ( [**§ 146 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__146.html))

>>> **1. Angebot durch A i.S.d. § 145 BGB**
>>>Fax des A Angebot?
>>>Vor.: dadurch WE abgegeben, inhaltlich Angebot i.S.d. [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) und S ohne zwischenzeitlichen Widerruf zugegangen

>>>> **a) Abgabe eines Angebot durch A i.S.d. [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Hier: Übersendung des Faxes mit allen Bestandteilen des beabsichtigen Vertrages an S

>>>> **b) Zugang <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Gem. [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) wird empfangsbedürftige WE unter Abwesenden erst in Zeitpunkt wirksam, indem sie Adressat zugeht
>>>>Zugang dann, wenn sie derart in Herrschaftsbereich des Empfängers gelangt, dass diesem unter gewöhnlichen Umständen die Kenntnisnahme möglich ist
>>>>Hier: Bestellung per Fax um 11 Uhr, laut SV wenige Minuten nach Absenden bei S ausgedruckt worden. Die WE des A ist folglich wenige Minuten nach 11 Uhr in Herrschaftsbereich des S gelangt
>>>>Zugang ist vollendet, wenn mit Kenntnisnahme zu rechnen
>>>>Bei geschäftlichen Erklärungen, die während der üblichen Geschäftszeiten eingehen, gilt konkrete Eingangszeit als Zeitpunkt des Zugangs
>>>>Hier: Fax des A wenige Minuten nach 11 Uhr morgens, also während üblichen Geschäftszeiten eingegangen
>>>>Kenntnisnahme zu dieser Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen möglich


>>>> **c) Widerruf gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html)**
>>>> **<span style="color:red">P</span>** Durch 2. Fax um 15 Uhr WE widerrufen?
>>>>Vor.: Erklärenden seine WE widerruft und Widerruf rechtzeitig erfolgt

>>>>> **aa) Widerruf der WE <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>>Wortwahl &#8222;widerrufen&#8220;, nicht entscheidend, vielmehr genügt es, dass durch Auslegung der WE ([**§ 133 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html)) des A ermittelt werden kann, dass er an seiner Erklärung, die Kette zu bestellen, nicht mehr festhalten möchte
>>>>>Von A gewählte Wortwahl Bestellung zu &#8222;stornieren&#8220;, steht [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) nicht entgegen

>>>>> **bb) Rechtzeitigkeit <span style="color:red">(-)</span>**
>>>>>Fraglich, ob Widerruf rechtzeitig eingegangen?
>>>>>Hier: Widerruf wenige Minuten nach 15 Uhr bei S eingegangen; Bestellung der Kette jedoch bereits wenige Minute nach 11 Uhr, also deutlich vorher, bei S eingegangen
>>>>>Fraglich ob es Auswirkungen hat, dass S von ursprünglichen WE des A, zum Zeitpunkt als er vom Widerruf erfährt, noch keine Kenntnis erlangt hatte
>>>>>Hier: S erlangt noch vor WE von ihrem Widerruf Kenntnis
>>>>>Aus Wortlaut [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) folgt, dass Widerruf vor WE oder gleichzeitig mit Zugang der ersten WE zu erfolgen hat
>>>>>Entscheidend ist folglich nur eigentliche Zugang , nicht die tatsächliche Kenntnisnahme der zugegangen Erklärung
>>>>>Reihenfolge der tatsächlichen Kenntnisnahme der WE spielt für Widerruf keine Rolle
>>>>>Vielmehr liegt Entscheidung , wann Empfänger über eine gem. [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangene WE tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönliche Sphäre und ist für Absender unerheblich
>>>>>Widerruf ist demnach nicht rechtzeitig bei S eingegangen
>>>>>WE ist folglich nicht vor oder gleichzeitig mit ihrem Zugang widerrufen worden
>>>>>Hinweis: wurde h.M. gefolgt, a.A. vertretbar

>>>>> **cc) Widerruf der WE gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) <span style="color:red">(-)</span>**

>>>> **d) Angebot seitens A <span style="color:green">(+)</span>**

>>> **2. Annahme durch S <span style="color:green">(+)</span>**
>>>Hier: S hat Angebot auf Abschluss Vertrage spätestens mit seiner Erklärung gegenüber A der Widerruf sei verspätet und er verlange jetzt das Geld und die Abnahme der Kette, konkludent angenommen
>>>
>>> **3. Annahmefähigkeit <span style="color:green">(+)</span>**
>>>Hier: Angebot zum Zeitpunkt der Annahme annahmefähig

>>> **4. Übereinstimmung <span style="color:green">(+)</span>**
>>>Hier: Angebot des A und Annahme stimmen überein

>>> **5. Vertragsschluss <span style="color:green">(+)</span>**

>> **II. Vertragsinhalt <span style="color:green">(+)</span>**
>>Hier: inhaltlich KV i.S.d. [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)

>> **III. Wirksamkeit <span style="color:green">(+)</span>**
>>Hier: keine Wirksamkeitshindernisse ersichtlich

>> **IV. Zwischenergebnis**
>>Anspruch erworben **<span style="color:green">(+)</span>**

**B. Anspruchsverlust <span style="color:red">(-)</span>**

**C. Durchsetzbarkeit <span style="color:green">(+)</span>**

**D. Ergebnis**
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) **<span style="color:green">(+)</span>**




##### 2. Lösungsskizze Fallabwandlung

>>>> **Zugang <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Im Gegensatz zum Ausgangsfall 1. WE des A um 22 Uhr eingegangen
>>>>WE gilt erst dann i.S.d. [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangen, wenn sie derart in Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit Kenntnisnahme gerechnet werden kann
>>>>Zwar Bestellung des S um 22 Uhr in Machtbereich des S gelangt, jedoch fehlt um diese Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen Möglichkeit von Bestellung Kenntnis zu nehmen
>>>>Vielmehr erst zu Geschäftsbeginn, folglich am nächsten Morgen zu erwarten
>>>>Hier: S nimmt zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Kenntnis

>>>> **Widerruf gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) <span style="color:green">(+)</span>**
>>>> **<span style="color:red">P</span>** Durch 2. Fax um 23 Uhr WE widerrufen?
>>>>Wie im Ausgangsfall liegt Problem auch hier bei Frage, ob Widerruf des A rechtzeitig i.S.d. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) erfolgt ist
>>>>Oben dargestellte gilt auch für den Widerruf
>>>>Widerruf außerhalb der Geschäftszeiten versandt, sodass Zugang auch hier erst am nächsten Morgen angenommen wird Bestellung und Widerruf somit gleichzeitig zugegangen
>>>>Gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) WE rechtzeitig widerrufen worden
>>>>
>>> **Vertragsschluss** **<span style="color:red">(-)</span>**

>> **Zwischenergebnis**
>>Anspruch erworben **<span style="color:red">(-)</span>**

**Ergebnis**
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) **<span style="color:red">(-)</span>**



##### 3. Formulierungsvorschlag

S könnte gegenüber A einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) haben.
Dies setzt voraus, dass er den Anspruch erworben und nicht verloren hat und dieser durchsetzbar ist.

**A. Anspruchserwerb**
S könnte den Anspruch gegenüber A gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben haben.
Dies ist der Fall, wenn zwischen S und A ein Vertrag geschlossen wurde, der inhaltlich ein Kaufvertrag ist und dieser wirksam ist.


>> **I. Vertragsschluss**
>>S und A könnten einen Vertrag durch Angebot und Annahme geschlossen haben. Dies setzt zwei übereinstimmende Willenserklärungen, Angebot ([**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html)) und Annahme ([**§ 147 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__147.html)) voraus, wobei die Annahme zu einem Zeitpunkt erfolgen muss, in der das Angebot noch bindend war ([**§ 146 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__146.html)).


>>> **1. Angebot durch A**
>>>Das Fax des A könnte ein Angebot auf Abschluss eines Vertrages darstellen. Dies ist der Fall, wenn hierdurch eine
>>>Willenserklärung abgegeben wurde, die inhaltlich ein Angebot i.S.d. [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) darstellt und S diese ohne zwischenzeitlichen
>>>Widerruf zugegangen ist.

>>>> **a) Abgabe eines Angebots durch A**
>>>>>Mit Übersendung des Faxes mit allen Bestandteilen des beabsichtigten Vertrages an S hat A eine Willenserklärung
>>>>>abgegeben, die inhaltlich einen Antrag im Sinne des [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) darstellt.

>>>> **b) Zugang**
>>>>>Gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) wird eine empfangsbedürftige Willenserklärung unter Abwesenden erst in dem Zeitpunkt
>>>>>wirksam, in dem sie dem Adressaten zugeht. Zugegangen ist sie dann, wenn sie derart in den Herrschaftsbereich des
>>>>>Empfängers gelangt, dass diesem unter gewöhnlichen Umständen die Kenntnisnahme möglich ist. Die Bestellung per
>>>>>Fax um 11.00 Uhr ist laut Sachverhalt wenige Minuten nach dem Absenden bei S ausgedruckt worden. Die
>>>>>Willenserklärung des A ist folglich wenige Minuten nach 11.00 Uhr in den Herrschaftsbereich des S gelangt. Der
>>>>>Zugang ist vollendet, wenn mit der Kenntnisnahme zu rechnen ist. Bei geschäftlichen Erklärungen, die während der
>>>>>üblichen Geschäftszeiten eingehen, gilt die konkrete Eingangszeit als Zeitpunkt des Zugangs. Das Fax des A ist
>>>>>wenige Minuten nach 11.00 Uhr morgens, also während der üblichen Geschäftszeit eingegangen. Eine Kenntnisnahme
>>>>>war zu dieser Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen also möglich. Demnach ist das Angebot des A dem S folglich
>>>>>zugegangen.

>>>> **c) Widerruf**
>>>>>Zweifelhaft ist jedoch, ob A durch sein zweites Fax um 15.00 Uhr seine Willenserklärung widerrufen hat. Dies ist
>>>>>gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) der Fall, wenn der Erklärende seine Willenserklärung widerruft und dieser Widerruf rechtzeitig
>>>>>erfolgt.

>>>>> **aa) Widerruf der WE**
>>>>>Die Wortwahl &#8222;widerrufen&#8220; ist nicht entscheidend, vielmehr genügt es, dass im vorliegenden
>>>>>Fall durch Auslegung der Willenserklärung [**§ 133 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html) des A ermittelt werden kann, dass er an seiner Erklärung, die
>>>>>Kette zu bestellen, nicht mehr festhalten möchte. Die von A gewählte Wortwahl seine Bestellung &#8222;zu
>>>>>stornieren&#8220; steht dem [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) nicht entgegen.

>>>>> **bb) Rechtzeitigkeit**
>>>>>Fraglich ist jedoch, ob dieser Widerruf rechtzeitig eingegangen ist.
>>>>>Laut Sachverhalt ging der Widerruf wenige Minuten nach 15.00 Uhr bei S ein. Wie zuvor dargestellt, ging die
>>>>>Bestellung der Kette jedoch bereits wenige Minuten nach 11.00 - also deutlich vorher - bei S ein. Fraglich ist an dieser
>>>>>Stelle, ob es Auswirkungen hat, dass S von der Willenserklärung des A, zum Zeitpunkt als er vom Widerruf
>>>>>erfährt, noch keine Kenntnis erlangt hatte. S erlangt also demnach noch vor der Willenserklärung des A von dessen Widerruf
>>>>>Kenntnis.
>>>>>Aus dem Wortlaut des [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) folgt jedoch, dass der Widerruf vor oder gleichzeitig mit dem Zugang der Willenserklärung
>>>>>zu erfolgen hat. Entscheidend ist folglich nur der eigentliche Zugang, nicht die tatsächliche
>>>>>Kenntnisnahme der zugegangenen Erklärung. Die Reihenfolge der tatsächlichen Kenntnisnahme der
>>>>>Willenserklärungen spielt für den Widerruf keine Rolle. Vielmehr liegt die Entscheidung, wann der Empfänger über
>>>>>eine gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangenen Willenserklärung tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönlichen Sphäre
>>>>>und ist für den Absender unerheblich. Der Widerruf ist demnach nicht rechtzeitig bei S eingegangen.
>>>>>Die Willenserklärung ist folglich nicht vor oder gleichzeitig mit ihrem Zugang widerrufen worden.
>>>>>(Hinweis: Hier wurde der h.M. gefolgt, eine andere Auffassung ist vertretbar)

>>>> **d) Es liegt ein Angebot seitens A vor.**


>>> **2. Annahme durch S**
>>>S hat das Angebot auf Abschluss des Vertrages angenommen.

>>> **3. Annahmefähigkeit**
>>>Das Angebot war zudem zum Zeitpunkt der Annahme noch annahmefähig.


>>> **4. Übereinstimmung**
>>>Das Angebot des A sowie die Annahme stimmen auch überein.


>>> **5. S und A haben folglich einen Vertrag geschlossen.**


>> **II. Inhalt**
>>Dieser Vertrag stellt inhaltlich einen Kaufvertrag im Sinne des [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) dar.


>> **III. Wirksamkeit**
>>Es sind keine Wirksamkeitshindernisse ersichtlich.


>> **IV. Zwischenergebnis**
>>S hat den Anspruch gegen A gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben.

**B. Anspruchsverlust**
S hat den Anspruch nicht verloren.

**C. Durchsetzbarkeit**
Der Anspruch ist zudem durchsetzbar.

**D. Ergebnis**
S hat einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)



##### 4. Formulierungsvorschlag Fallabwandlung
**Zugang**
Im Gegensatz zum Ausgangsfall ist die erste Willenserklärung des A erst um 22.00 Uhr eingegangen. Eine Willenserklärung gilt erst dann im Sinne des [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangen, wenn sie derart in den Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit der Kenntnisnahme gerechnet werden kann. Zwar ist die Bestellung um 22.00 Uhr in den Machtbereich des S gelangt, jedoch fehlt um diese Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen die Möglichkeit von dieser Bestellung Kenntnis zu nehmen. Vielmehr ist dies erst zu Geschäftsbeginn, also folglich am nächsten Morgen zu erwarten. Laut Sachverhalt nimmt S zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich von der Bestellung Kenntnis. Das Angebot ist dem S am nächsten Morgen zugegangen.

**Widerruf**
Wie im Ausgangsfall liegt das Problem auch hier bei der Frage, ob der Widerruf des A rechtzeitig im Sinne des [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) erfolgt ist. Das oben dargestellte, gilt auch für den Widerruf. Auch dieser wurde außerhalb der Geschäftszeiten versandt, so dass der Zugang auch hier erst am nächsten Morgen angenommen wird. Bestellung und Widerruf sind somit gleichzeitig zugegangen. Gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) ist die Willenserklärung somit rechtzeitig widerrufen worden.
Zwischen A und S wurde folglich kein Kaufvertrag im Sinne des [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) geschlossen, S hat den Anspruch auf Kaufpreiszahlung und Abnahme der Kette somit nicht erworben.

**Ergebnis**
S hat gegenüber A keinen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html).
DELETIONS
### Fallbeispiel 8 - Weihnachtsgeschenk
##### Widerruf von Willenserklärungen
##### A. Sachverhalt
Antonius (A) hat noch immer kein Weihnachtsgeschenk für seine Freundin Constanze (C). Da C ein großer Tierfreund ist, bestellt A beim Schmuckhändler (S) eine Kette mit einem Schildkröten-Anhänger zum Kaufpreis von 389 &#8364;. Das Fax sendet A um 11.00 Uhr morgens ab. Als A von Karola (K), der besten Freundin der C erfährt, dass auch sie der C diese Kette schenken möchte, schickt A um 15.00 Uhr ein weiteres Fax an S um seine Bestellung zu stornieren. Die Schreiben werden jeweils wenige Minuten nach dem Absenden durch das Faxgeräte bei S ausgedruckt. Aufgrund des Vorweihnachtstrubels ist S jedoch so sehr in seine Arbeit vertieft, dass er erst gegen 16.00 Uhr beide Faxe aus der Ablage des Faxgerätes entnimmt. Da diese oben auf liegt, liest S zunächst die Stornierung und erst dann die Bestellung, die A bereits um 11.00 versandt hatte.
S ist überzeugt, dass die Stornierung unwirksam ist, da diese unzweifelhaft erst nach der Bestellung bei ihm eingegangen sei. Dies könne man der aufgedruckten Eingangszeit der Faxe eindeutig entnehmen. Er verlangt von A daher die Zahlung des Kaufpreises sowie die Abnahme der Kette.
**<span style="text-decoration:underline;">Abwandlung</span>**
A entdeckt im Katalog des Schmuckhändlers S die Kette für 389 &#8364;. Er entschließt sich spontan diese für seine Freundin C zu kaufen und schickt um 22.00 Uhr ein Fax mit der Bestellung an S. Eine Stunde später erfährt er von K, dass sie eine ähnliche Kette bei einem anderen Anbieter P für 359 &#8364; gesehen hat. Er schickt daher um 23.00 Uhr einen Widerruf an S und bestellt die Kette bei P. Am nächsten Morgen sieht S die Bestellung der Kette und den Widerruf. S verlangt die Zahlung des Kaufpreises sowie die Abnahme der Kette.
##### B. Frage(n)
Zu Recht?
##### C. Lösung
##### 1. Lösungsskizze
Zu Recht?
Anspruchsgrundlage: [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)
Vor.: Anspruch erworben, nicht verloren und durchsetzbar
**A. Anspruch erworben?**
Voraussetzung: zwischen S und A Vertrag geschlossen, inhaltlich KV i.S.d. [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) und dieser wirksam
>> **I. Vertragsschluss**
>>Vor.: zwei übereinstimmende Willenserklärungen; Angebot ([**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html)) und Annahme ([**§ 147 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__147.html)); Annahme muss zu Zeitpunkt erfolgen, in der Angebot noch bindend ( [**§ 146 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__146.html))

>>> **1. Angebot durch A i.S.d. § 145 BGB**
>>>Fax des A Angebot?
>>>Vor.: dadurch WE abgegeben, inhaltlich Angebot i.S.d. [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) und S ohne zwischenzeitlichen Widerruf zugegangen

>>>> **a) Abgabe eines Angebot durch A i.S.d. [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Hier: Übersendung des Faxes mit allen Bestandteilen des beabsichtigen Vertrages an S

>>>> **b) Zugang <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Gem. [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) wird empfangsbedürftige WE unter Abwesenden erst in Zeitpunkt wirksam, indem sie Adressat zugeht
>>>>Zugang dann, wenn sie derart in Herrschaftsbereich des Empfängers gelangt, dass diesem unter gewöhnlichen Umständen die Kenntnisnahme möglich ist
>>>>Hier: Bestellung per Fax um 11 Uhr, laut SV wenige Minuten nach Absenden bei S ausgedruckt worden. Die WE des A ist folglich wenige Minuten nach 11 Uhr in Herrschaftsbereich des S gelangt
>>>>Zugang ist vollendet, wenn mit Kenntnisnahme zu rechnen
>>>>Bei geschäftlichen Erklärungen, die während der üblichen Geschäftszeiten eingehen, gilt konkrete Eingangszeit als Zeitpunkt des Zugangs
>>>>Hier: Fax des A wenige Minuten nach 11 Uhr morgens, also während üblichen Geschäftszeiten eingegangen
>>>>Kenntnisnahme zu dieser Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen möglich
>>>> **c) Widerruf gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html)**
>>>> **<span style="color:red">P</span>** Durch 2. Fax um 15 Uhr WE widerrufen?
>>>>Vor.: Erklärenden seine WE widerruft und Widerruf rechtzeitig erfolgt

>>>>> **aa) Widerruf der WE <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>>Wortwahl &#8222;widerrufen&#8220;, nicht entscheidend, vielmehr genügt es, dass durch Auslegung der WE ([**§ 133 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html)) des A ermittelt werden kann, dass er an seiner Erklärung, die Kette zu bestellen, nicht mehr festhalten möchte
>>>>>Von A gewählte Wortwahl Bestellung zu &#8222;stornieren&#8220;, steht [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) nicht entgegen

>>>>> **bb) Rechtzeitigkeit <span style="color:red">(-)</span>**
>>>>>Fraglich, ob Widerruf rechtzeitig eingegangen?
>>>>>Hier: Widerruf wenige Minuten nach 15 Uhr bei S eingegangen; Bestellung der Kette jedoch bereits wenige Minute nach 11 Uhr, also deutlich vorher, bei S eingegangen
>>>>>Fraglich ob es Auswirkungen hat, dass S von ursprünglichen WE des A, zum Zeitpunkt als er vom Widerruf erfährt, noch keine Kenntnis erlangt hatte
>>>>>Hier: S erlangt noch vor WE von ihrem Widerruf Kenntnis
>>>>>Aus Wortlaut [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) folgt, dass Widerruf vor WE oder gleichzeitig mit Zugang der ersten WE zu erfolgen hat
>>>>>Entscheidend ist folglich nur eigentliche Zugang , nicht die tatsächliche Kenntnisnahme der zugegangen Erklärung
>>>>>Reihenfolge der tatsächlichen Kenntnisnahme der WE spielt für Widerruf keine Rolle
>>>>>Vielmehr liegt Entscheidung , wann Empfänger über eine gem. [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangene WE tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönliche Sphäre und ist für Absender unerheblich
>>>>>Widerruf ist demnach nicht rechtzeitig bei S eingegangen
>>>>>WE ist folglich nicht vor oder gleichzeitig mit ihrem Zugang widerrufen worden
>>>>>Hinweis: wurde h.M. gefolgt, a.A. vertretbar

>>>>> **cc) Widerruf der WE gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) <span style="color:red">(-)</span>**

>>>> **d) Angebot seitens A <span style="color:green">(+)</span>**

>>> **2. Annahme durch S <span style="color:green">(+)</span>**
>>>Hier: S hat Angebot auf Abschluss Vertrage spätestens mit seiner Erklärung gegenüber A der Widerruf sei verspätet und er verlange jetzt das Geld und die Abnahme der Kette, konkludent angenommen
>>>
>>> **3. Annahmefähigkeit <span style="color:green">(+)</span>**
>>>Hier: Angebot zum Zeitpunkt der Annahme annahmefähig

>>> **4. Übereinstimmung <span style="color:green">(+)</span>**
>>>Hier: Angebot des A und Annahme stimmen überein

>>> **5. Vertragsschluss <span style="color:green">(+)</span>**

>> **II. Vertragsinhalt <span style="color:green">(+)</span>**
>>Hier: inhaltlich KV i.S.d. [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)

>> **III. Wirksamkeit <span style="color:green">(+)</span>**
>>Hier: keine Wirksamkeitshindernisse ersichtlich

>> **IV. Zwischenergebnis**
>>Anspruch erworben **<span style="color:green">(+)</span>**

**B. Anspruchsverlust <span style="color:red">(-)</span>**
**C. Durchsetzbarkeit <span style="color:green">(+)</span>**
**D. Ergebnis**
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) **<span style="color:green">(+)</span>**
##### 2. Lösungsskizze Fallabwandlung
>>>> **Zugang <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Im Gegensatz zum Ausgangsfall 1. WE des A um 22 Uhr eingegangen
>>>>WE gilt erst dann i.S.d. [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangen, wenn sie derart in Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit Kenntnisnahme gerechnet werden kann
>>>>Zwar Bestellung des S um 22 Uhr in Machtbereich des S gelangt, jedoch fehlt um diese Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen Möglichkeit von Bestellung Kenntnis zu nehmen
>>>>Vielmehr erst zu Geschäftsbeginn, folglich am nächsten Morgen zu erwarten
>>>>Hier: S nimmt zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Kenntnis

>>>> **Widerruf gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) <span style="color:green">(+)</span>**
>>>> **<span style="color:red">P</span>** Durch 2. Fax um 23 Uhr WE widerrufen?
>>>>Wie im Ausgangsfall liegt Problem auch hier bei Frage, ob Widerruf des A rechtzeitig i.S.d. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) erfolgt ist
>>>>Oben dargestellte gilt auch für den Widerruf
>>>>Widerruf außerhalb der Geschäftszeiten versandt, sodass Zugang auch hier erst am nächsten Morgen angenommen wird Bestellung und Widerruf somit gleichzeitig zugegangen
>>>>Gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) WE rechtzeitig widerrufen worden
>>>>
>>> **Vertragsschluss** **<span style="color:red">(-)</span>**

>> **Zwischenergebnis**
>>Anspruch erworben **<span style="color:red">(-)</span>**

**Ergebnis**
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) **<span style="color:red">(-)</span>**
##### 3. Formulierungsvorschlag
S könnte gegenüber A einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) haben.
Dies setzt voraus, dass er den Anspruch erworben und nicht verloren hat und dieser durchsetzbar ist.
**A. Anspruchserwerb**
S könnte den Anspruch gegenüber A gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben haben.
Dies ist der Fall, wenn zwischen S und A ein Vertrag geschlossen wurde, der inhaltlich ein Kaufvertrag ist und dieser wirksam ist.
>> **I. Vertragsschluss**
>>S und A könnten einen Vertrag durch Angebot und Annahme geschlossen haben. Dies setzt zwei übereinstimmende Willenserklärungen, Angebot ([**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html)) und Annahme ([**§ 147 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__147.html)) voraus, wobei die Annahme zu einem Zeitpunkt erfolgen muss, in der das Angebot noch bindend war ([**§ 146 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__146.html)).
>>> **1. Angebot durch A**
>>>Das Fax des A könnte ein Angebot auf Abschluss eines Vertrages darstellen. Dies ist der Fall, wenn hierdurch eine
>>>Willenserklärung abgegeben wurde, die inhaltlich ein Angebot i.S.d. [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) darstellt und S diese ohne zwischenzeitlichen
>>>Widerruf zugegangen ist.

>>>> **a) Abgabe eines Angebots durch A**
>>>>>Mit Übersendung des Faxes mit allen Bestandteilen des beabsichtigten Vertrages an S hat A eine Willenserklärung
>>>>>abgegeben, die inhaltlich einen Antrag im Sinne des [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) darstellt.

>>>> **b) Zugang**
>>>>>Gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) wird eine empfangsbedürftige Willenserklärung unter Abwesenden erst in dem Zeitpunkt
>>>>>wirksam, in dem sie dem Adressaten zugeht. Zugegangen ist sie dann, wenn sie derart in den Herrschaftsbereich des
>>>>>Empfängers gelangt, dass diesem unter gewöhnlichen Umständen die Kenntnisnahme möglich ist. Die Bestellung per
>>>>>Fax um 11.00 Uhr ist laut Sachverhalt wenige Minuten nach dem Absenden bei S ausgedruckt worden. Die
>>>>>Willenserklärung des A ist folglich wenige Minuten nach 11.00 Uhr in den Herrschaftsbereich des S gelangt. Der
>>>>>Zugang ist vollendet, wenn mit der Kenntnisnahme zu rechnen ist. Bei geschäftlichen Erklärungen, die während der
>>>>>üblichen Geschäftszeiten eingehen, gilt die konkrete Eingangszeit als Zeitpunkt des Zugangs. Das Fax des A ist
>>>>>wenige Minuten nach 11.00 Uhr morgens, also während der üblichen Geschäftszeit eingegangen. Eine Kenntnisnahme
>>>>>war zu dieser Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen also möglich. Demnach ist das Angebot des A dem S folglich
>>>>>zugegangen.

>>>> **c) Widerruf**
>>>>>Zweifelhaft ist jedoch, ob A durch sein zweites Fax um 15.00 Uhr seine Willenserklärung widerrufen hat. Dies ist
>>>>>gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) der Fall, wenn der Erklärende seine Willenserklärung widerruft und dieser Widerruf rechtzeitig
>>>>>erfolgt.

>>>>> **aa) Widerruf der WE**
>>>>>Die Wortwahl &#8222;widerrufen&#8220; ist nicht entscheidend, vielmehr genügt es, dass im vorliegenden
>>>>>Fall durch Auslegung der Willenserklärung [**§ 133 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html) des A ermittelt werden kann, dass er an seiner Erklärung, die
>>>>>Kette zu bestellen, nicht mehr festhalten möchte. Die von A gewählte Wortwahl seine Bestellung &#8222;zu
>>>>>stornieren&#8220; steht dem [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) nicht entgegen.

>>>>> **bb) Rechtzeitigkeit**
>>>>>Fraglich ist jedoch, ob dieser Widerruf rechtzeitig eingegangen ist.
>>>>>Laut Sachverhalt ging der Widerruf wenige Minuten nach 15.00 Uhr bei S ein. Wie zuvor dargestellt, ging die
>>>>>Bestellung der Kette jedoch bereits wenige Minuten nach 11.00 - also deutlich vorher - bei S ein. Fraglich ist an dieser
>>>>>Stelle, ob es Auswirkungen hat, dass S von der Willenserklärung des A, zum Zeitpunkt als er vom Widerruf
>>>>>erfährt, noch keine Kenntnis erlangt hatte. S erlangt also demnach noch vor der Willenserklärung des A von dessen Widerruf
>>>>>Kenntnis.
>>>>>Aus dem Wortlaut des [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) folgt jedoch, dass der Widerruf vor oder gleichzeitig mit dem Zugang der Willenserklärung
>>>>>zu erfolgen hat. Entscheidend ist folglich nur der eigentliche Zugang, nicht die tatsächliche
>>>>>Kenntnisnahme der zugegangenen Erklärung. Die Reihenfolge der tatsächlichen Kenntnisnahme der
>>>>>Willenserklärungen spielt für den Widerruf keine Rolle. Vielmehr liegt die Entscheidung, wann der Empfänger über
>>>>>eine gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangenen Willenserklärung tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönlichen Sphäre
>>>>>und ist für den Absender unerheblich. Der Widerruf ist demnach nicht rechtzeitig bei S eingegangen.
>>>>>Die Willenserklärung ist folglich nicht vor oder gleichzeitig mit ihrem Zugang widerrufen worden.
>>>>>(Hinweis: Hier wurde der h.M. gefolgt, eine andere Auffassung ist vertretbar)

>>>> **d) Es liegt ein Angebot seitens A vor.**
>>> **2. Annahme durch S**
>>>S hat das Angebot auf Abschluss des Vertrages angenommen.

>>> **3. Annahmefähigkeit**
>>>Das Angebot war zudem zum Zeitpunkt der Annahme noch annahmefähig.
>>> **4. Übereinstimmung**
>>>Das Angebot des A sowie die Annahme stimmen auch überein.
>>> **5. S und A haben folglich einen Vertrag geschlossen.**


>> **II. Inhalt**
>>Dieser Vertrag stellt inhaltlich einen Kaufvertrag im Sinne des [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) dar.
>> **III. Wirksamkeit**
>>Es sind keine Wirksamkeitshindernisse ersichtlich.
>> **IV. Zwischenergebnis**
>>S hat den Anspruch gegen A gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben.

**B. Anspruchsverlust**
S hat den Anspruch nicht verloren.
**C. Durchsetzbarkeit**
Der Anspruch ist zudem durchsetzbar.
**D. Ergebnis**
S hat einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)
##### 4. Formulierungsvorschlag Fallabwandlung
**Zugang**
Im Gegensatz zum Ausgangsfall ist die erste Willenserklärung des A erst um 22.00 Uhr eingegangen. Eine Willenserklärung gilt erst dann im Sinne des [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangen, wenn sie derart in den Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit der Kenntnisnahme gerechnet werden kann. Zwar ist die Bestellung um 22.00 Uhr in den Machtbereich des S gelangt, jedoch fehlt um diese Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen die Möglichkeit von dieser Bestellung Kenntnis zu nehmen. Vielmehr ist dies erst zu Geschäftsbeginn, also folglich am nächsten Morgen zu erwarten. Laut Sachverhalt nimmt S zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich von der Bestellung Kenntnis. Das Angebot ist dem S am nächsten Morgen zugegangen.
**Widerruf**
Wie im Ausgangsfall liegt das Problem auch hier bei der Frage, ob der Widerruf des A rechtzeitig im Sinne des [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) erfolgt ist. Das oben dargestellte, gilt auch für den Widerruf. Auch dieser wurde außerhalb der Geschäftszeiten versandt, so dass der Zugang auch hier erst am nächsten Morgen angenommen wird. Bestellung und Widerruf sind somit gleichzeitig zugegangen. Gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) ist die Willenserklärung somit rechtzeitig widerrufen worden.
Zwischen A und S wurde folglich kein Kaufvertrag im Sinne des [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) geschlossen, S hat den Anspruch auf Kaufpreiszahlung und Abnahme der Kette somit nicht erworben.
**Ergebnis**
S hat gegenüber A keinen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html).
***
CategoryWIPR1Faelle
Revision [c660163]
Bearbeitet am 2019-01-25 10:41:10 von Fanny Reß
ADDITIONS
##### 1. Lösungsskizze
##### 2. Lösungsskizze Fallabwandlung
##### 3. Formulierungsvorschlag
##### 4. Formulierungsvorschlag Fallabwandlung
DELETIONS
>>>>>>>[Die Lösung zum Download als PDF gibts hier!](/files/FallWeihnachtsgeschenk/Fall_8.pdf)
##### 1. Grafische Skizze
![image](/uploads/FallWeihnachtsgeschenk/Folie1.JPGwidth=?width=600)
![image](/uploads/FallWeihnachtsgeschenk/Folie2.JPGwidth=?width=600)
##### 2. Grafische Skizze Fallabwandlung
![image](/uploads/FallWeihnachtsgeschenk/Folie4.JPGwidth=?width=600)
![image](/uploads/FallWeihnachtsgeschenk/Folie3.JPGwidth=?width=600)
##### 3. Lösungsskizze
##### 4. Lösungsskizze Fallabwandlung
##### 5. Formulierungsvorschlag
##### 6. Formulierungsvorschlag Fallabwandlung
Revision [39a2464]
Bearbeitet am 2012-12-20 16:25:05 von AnnegretMordhorst
ADDITIONS
Anspruchsgrundlage: [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)
>>>>Gem. [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) wird empfangsbedürftige WE unter Abwesenden erst in Zeitpunkt wirksam, indem sie Adressat zugeht
>>>> **c) Widerruf gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html)**
>>>>>Wortwahl &#8222;widerrufen&#8220;, nicht entscheidend, vielmehr genügt es, dass durch Auslegung der WE ([**§ 133 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html)) des A ermittelt werden kann, dass er an seiner Erklärung, die Kette zu bestellen, nicht mehr festhalten möchte
>>>>>Von A gewählte Wortwahl Bestellung zu &#8222;stornieren&#8220;, steht [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) nicht entgegen
>>>>>Aus Wortlaut [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) folgt, dass Widerruf vor WE oder gleichzeitig mit Zugang der ersten WE zu erfolgen hat
>>>>>Vielmehr liegt Entscheidung , wann Empfänger über eine gem. [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangene WE tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönliche Sphäre und ist für Absender unerheblich
>>>>> **cc) Widerruf der WE gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) <span style="color:red">(-)</span>**
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) **<span style="color:green">(+)</span>**
>>>>WE gilt erst dann i.S.d. [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangen, wenn sie derart in Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit Kenntnisnahme gerechnet werden kann
>>>> **Widerruf gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Wie im Ausgangsfall liegt Problem auch hier bei Frage, ob Widerruf des A rechtzeitig i.S.d. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) erfolgt ist
>>>>Gem. [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) WE rechtzeitig widerrufen worden
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) **<span style="color:red">(-)</span>**
S könnte gegenüber A einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) haben.
S könnte den Anspruch gegenüber A gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben haben.
>>>>>Gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) wird eine empfangsbedürftige Willenserklärung unter Abwesenden erst in dem Zeitpunkt
>>>>>gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) der Fall, wenn der Erklärende seine Willenserklärung widerruft und dieser Widerruf rechtzeitig
>>>>>stornieren&#8220; steht dem [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) nicht entgegen.
>>>>>Aus dem Wortlaut des [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) folgt jedoch, dass der Widerruf vor oder gleichzeitig mit dem Zugang der Willenserklärung
>>>>>eine gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangenen Willenserklärung tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönlichen Sphäre
>>S hat den Anspruch gegen A gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben.
S hat einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)
Im Gegensatz zum Ausgangsfall ist die erste Willenserklärung des A erst um 22.00 Uhr eingegangen. Eine Willenserklärung gilt erst dann im Sinne des [**§ 130 Abs. 1 S.1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangen, wenn sie derart in den Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit der Kenntnisnahme gerechnet werden kann. Zwar ist die Bestellung um 22.00 Uhr in den Machtbereich des S gelangt, jedoch fehlt um diese Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen die Möglichkeit von dieser Bestellung Kenntnis zu nehmen. Vielmehr ist dies erst zu Geschäftsbeginn, also folglich am nächsten Morgen zu erwarten. Laut Sachverhalt nimmt S zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich von der Bestellung Kenntnis. Das Angebot ist dem S am nächsten Morgen zugegangen.
Wie im Ausgangsfall liegt das Problem auch hier bei der Frage, ob der Widerruf des A rechtzeitig im Sinne des [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) erfolgt ist. Das oben dargestellte, gilt auch für den Widerruf. Auch dieser wurde außerhalb der Geschäftszeiten versandt, so dass der Zugang auch hier erst am nächsten Morgen angenommen wird. Bestellung und Widerruf sind somit gleichzeitig zugegangen. Gemäß [**§ 130 Abs. 1 S.2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) ist die Willenserklärung somit rechtzeitig widerrufen worden.
S hat gegenüber A keinen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 Abs. 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html).
***
CategoryWIPR1Faelle
DELETIONS
Anspruchsgrundlage: [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)
>>>>Gem. § 130 I 1 BGB wird empfangsbedürftige WE unter Abwesenden erst in Zeitpunkt wirksam, indem sie Adressat zugeht
>>>> **c) Widerruf gem. § 130 I 2 BGB**
>>>>>Wortwahl &#8222;widerrufen&#8220;, nicht entscheidend, vielmehr genügt es, dass durch Auslegung der WE (§ 133) des A ermittelt werden kann, dass er an seiner Erklärung, die Kette zu bestellen, nicht mehr festhalten möchte
>>>>>Von A gewählte Wortwahl Bestellung zu &#8222;stornieren&#8220;, steht § 130 I 2 BGB nicht entgegen
>>>>>Aus Wortlaut § 130 I 2 BGB folgt, dass Widerruf vor WE oder gleichzeitig mit Zugang der ersten WE zu erfolgen hat
>>>>>Vielmehr liegt Entscheidung , wann Empfänger über eine gem. § 130 I 1 BGB zugegangene WE tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönliche Sphäre und ist für Absender unerheblich
>>>>> **cc) Widerruf der WE gem. § 130 I 2 BGB <span style="color:red">(-)</span>**
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. § 433 II BGB **<span style="color:green">(+)</span>**
>>>>WE gilt erst dann i.S.d. § 130 I 1BGB zugegangen, wenn sie derart in Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit Kenntnisnahme gerechnet werden kann
>>>> **Widerruf gem. § 130 I 2 BGB <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Wie im Ausgangsfall liegt Problem auch hier bei Frage, ob Widerruf des A rechtzeitig i.S.d. § 130 I 2 BGB erfolgt ist
>>>>Gem. 130 I 2 BGB WE rechtzeitig widerrufen worden
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. § 433 II BGB **<span style="color:red">(-)</span>**
S könnte gegenüber A einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) haben.
S könnte den Anspruch gegenüber A gemäß [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben haben.
>>>>>Gemäß [**§ 130 I 1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) wird eine empfangsbedürftige Willenserklärung unter Abwesenden erst in dem Zeitpunkt
>>>>>gemäß [**§ 130 I 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) der Fall, wenn der Erklärende seine Willenserklärung widerruft und dieser Widerruf rechtzeitig
>>>>>stornieren&#8220; steht dem [**§ 130 I 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) nicht entgegen.
>>>>>Aus dem Wortlaut des [**§ 130 I 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) folgt jedoch, dass der Widerruf vor oder gleichzeitig mit dem Zugang der Willenserklärung
>>>>>eine gemäß [**§ 130 I 1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangenen Willenserklärung tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönlichen Sphäre
>>S hat den Anspruch gegen A gemäß [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben.
S hat einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)
Im Gegensatz zum Ausgangsfall ist die erste Willenserklärung des A erst um 22.00 Uhr eingegangen. Eine Willenserklärung gilt erst dann im Sinne des § 130 I 1 BGB zugegangen, wenn sie derart in den Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit der Kenntnisnahme gerechnet werden kann. Zwar ist die Bestellung um 22.00 Uhr in den Machtbereich des S gelangt, jedoch fehlt um diese Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen die Möglichkeit von dieser Bestellung Kenntnis zu nehmen. Vielmehr ist dies erst zu Geschäftsbeginn, also folglich am nächsten Morgen zu erwarten. Laut Sachverhalt nimmt S zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich von der Bestellung Kenntnis. Das Angebot ist dem S am nächsten Morgen zugegangen.
Wie im Ausgangsfall liegt das Problem auch hier bei der Frage, ob der Widerruf des A rechtzeitig im Sinne des § 130 I 2 BGB erfolgt ist. Das oben dargestellte, gilt auch für den Widerruf. Auch dieser wurde außerhalb der Geschäftszeiten versandt, so dass der Zugang auch hier erst am nächsten Morgen angenommen wird. Bestellung und Widerruf sind somit gleichzeitig zugegangen. Gemäß § 130 I 2 BGB ist die Willenserklärung somit rechtzeitig widerrufen worden.
S hat gegenüber A keinen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß § 433 II BGB.
Revision [44a0220]
Bearbeitet am 2012-12-20 11:07:05 von Franziska Stanzel
ADDITIONS
**<span style="text-decoration:underline;">Abwandlung</span>**
A entdeckt im Katalog des Schmuckhändlers S die Kette für 389 &#8364;. Er entschließt sich spontan diese für seine Freundin C zu kaufen und schickt um 22.00 Uhr ein Fax mit der Bestellung an S. Eine Stunde später erfährt er von K, dass sie eine ähnliche Kette bei einem anderen Anbieter P für 359 &#8364; gesehen hat. Er schickt daher um 23.00 Uhr einen Widerruf an S und bestellt die Kette bei P. Am nächsten Morgen sieht S die Bestellung der Kette und den Widerruf. S verlangt die Zahlung des Kaufpreises sowie die Abnahme der Kette.
![image](/uploads/FallWeihnachtsgeschenk/Folie1.JPGwidth=?width=600)
![image](/uploads/FallWeihnachtsgeschenk/Folie2.JPGwidth=?width=600)
##### 2. Grafische Skizze Fallabwandlung
![image](/uploads/FallWeihnachtsgeschenk/Folie4.JPGwidth=?width=600)
![image](/uploads/FallWeihnachtsgeschenk/Folie3.JPGwidth=?width=600)
##### 3. Lösungsskizze
Zu Recht?
Anspruchsgrundlage: [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)
Vor.: Anspruch erworben, nicht verloren und durchsetzbar
**A. Anspruch erworben?**
Voraussetzung: zwischen S und A Vertrag geschlossen, inhaltlich KV i.S.d. [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) und dieser wirksam
>> **I. Vertragsschluss**
>>Vor.: zwei übereinstimmende Willenserklärungen; Angebot ([**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html)) und Annahme ([**§ 147 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__147.html)); Annahme muss zu Zeitpunkt erfolgen, in der Angebot noch bindend ( [**§ 146 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__146.html))

>>> **1. Angebot durch A i.S.d. § 145 BGB**
>>>Fax des A Angebot?
>>>Vor.: dadurch WE abgegeben, inhaltlich Angebot i.S.d. [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) und S ohne zwischenzeitlichen Widerruf zugegangen

>>>> **a) Abgabe eines Angebot durch A i.S.d. [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Hier: Übersendung des Faxes mit allen Bestandteilen des beabsichtigen Vertrages an S

>>>> **b) Zugang <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Gem. § 130 I 1 BGB wird empfangsbedürftige WE unter Abwesenden erst in Zeitpunkt wirksam, indem sie Adressat zugeht
>>>>Zugang dann, wenn sie derart in Herrschaftsbereich des Empfängers gelangt, dass diesem unter gewöhnlichen Umständen die Kenntnisnahme möglich ist
>>>>Hier: Bestellung per Fax um 11 Uhr, laut SV wenige Minuten nach Absenden bei S ausgedruckt worden. Die WE des A ist folglich wenige Minuten nach 11 Uhr in Herrschaftsbereich des S gelangt
>>>>Zugang ist vollendet, wenn mit Kenntnisnahme zu rechnen
>>>>Bei geschäftlichen Erklärungen, die während der üblichen Geschäftszeiten eingehen, gilt konkrete Eingangszeit als Zeitpunkt des Zugangs
>>>>Hier: Fax des A wenige Minuten nach 11 Uhr morgens, also während üblichen Geschäftszeiten eingegangen
>>>>Kenntnisnahme zu dieser Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen möglich
>>>> **c) Widerruf gem. § 130 I 2 BGB**
>>>> **<span style="color:red">P</span>** Durch 2. Fax um 15 Uhr WE widerrufen?
>>>>Vor.: Erklärenden seine WE widerruft und Widerruf rechtzeitig erfolgt

>>>>> **aa) Widerruf der WE <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>>Wortwahl &#8222;widerrufen&#8220;, nicht entscheidend, vielmehr genügt es, dass durch Auslegung der WE (§ 133) des A ermittelt werden kann, dass er an seiner Erklärung, die Kette zu bestellen, nicht mehr festhalten möchte
>>>>>Von A gewählte Wortwahl Bestellung zu &#8222;stornieren&#8220;, steht § 130 I 2 BGB nicht entgegen

>>>>> **bb) Rechtzeitigkeit <span style="color:red">(-)</span>**
>>>>>Fraglich, ob Widerruf rechtzeitig eingegangen?
>>>>>Hier: Widerruf wenige Minuten nach 15 Uhr bei S eingegangen; Bestellung der Kette jedoch bereits wenige Minute nach 11 Uhr, also deutlich vorher, bei S eingegangen
>>>>>Fraglich ob es Auswirkungen hat, dass S von ursprünglichen WE des A, zum Zeitpunkt als er vom Widerruf erfährt, noch keine Kenntnis erlangt hatte
>>>>>Hier: S erlangt noch vor WE von ihrem Widerruf Kenntnis
>>>>>Aus Wortlaut § 130 I 2 BGB folgt, dass Widerruf vor WE oder gleichzeitig mit Zugang der ersten WE zu erfolgen hat
>>>>>Entscheidend ist folglich nur eigentliche Zugang , nicht die tatsächliche Kenntnisnahme der zugegangen Erklärung
>>>>>Reihenfolge der tatsächlichen Kenntnisnahme der WE spielt für Widerruf keine Rolle
>>>>>Vielmehr liegt Entscheidung , wann Empfänger über eine gem. § 130 I 1 BGB zugegangene WE tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönliche Sphäre und ist für Absender unerheblich
>>>>>Widerruf ist demnach nicht rechtzeitig bei S eingegangen
>>>>>WE ist folglich nicht vor oder gleichzeitig mit ihrem Zugang widerrufen worden
>>>>>Hinweis: wurde h.M. gefolgt, a.A. vertretbar

>>>>> **cc) Widerruf der WE gem. § 130 I 2 BGB <span style="color:red">(-)</span>**

>>>> **d) Angebot seitens A <span style="color:green">(+)</span>**

>>> **2. Annahme durch S <span style="color:green">(+)</span>**
>>>Hier: S hat Angebot auf Abschluss Vertrage spätestens mit seiner Erklärung gegenüber A der Widerruf sei verspätet und er verlange jetzt das Geld und die Abnahme der Kette, konkludent angenommen
>>>
>>> **3. Annahmefähigkeit <span style="color:green">(+)</span>**
>>>Hier: Angebot zum Zeitpunkt der Annahme annahmefähig

>>> **4. Übereinstimmung <span style="color:green">(+)</span>**
>>>Hier: Angebot des A und Annahme stimmen überein

>>> **5. Vertragsschluss <span style="color:green">(+)</span>**

>> **II. Vertragsinhalt <span style="color:green">(+)</span>**
>>Hier: inhaltlich KV i.S.d. [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)

>> **III. Wirksamkeit <span style="color:green">(+)</span>**
>>Hier: keine Wirksamkeitshindernisse ersichtlich

>> **IV. Zwischenergebnis**
>>Anspruch erworben **<span style="color:green">(+)</span>**

**B. Anspruchsverlust <span style="color:red">(-)</span>**
**C. Durchsetzbarkeit <span style="color:green">(+)</span>**
**D. Ergebnis**
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. § 433 II BGB **<span style="color:green">(+)</span>**
##### 4. Lösungsskizze Fallabwandlung
>>>> **Zugang <span style="color:green">(+)</span>**
>>>>Im Gegensatz zum Ausgangsfall 1. WE des A um 22 Uhr eingegangen
>>>>WE gilt erst dann i.S.d. § 130 I 1BGB zugegangen, wenn sie derart in Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit Kenntnisnahme gerechnet werden kann
>>>>Zwar Bestellung des S um 22 Uhr in Machtbereich des S gelangt, jedoch fehlt um diese Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen Möglichkeit von Bestellung Kenntnis zu nehmen
>>>>Vielmehr erst zu Geschäftsbeginn, folglich am nächsten Morgen zu erwarten
>>>>Hier: S nimmt zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Kenntnis

>>>> **Widerruf gem. § 130 I 2 BGB <span style="color:green">(+)</span>**
>>>> **<span style="color:red">P</span>** Durch 2. Fax um 23 Uhr WE widerrufen?
>>>>Wie im Ausgangsfall liegt Problem auch hier bei Frage, ob Widerruf des A rechtzeitig i.S.d. § 130 I 2 BGB erfolgt ist
>>>>Oben dargestellte gilt auch für den Widerruf
>>>>Widerruf außerhalb der Geschäftszeiten versandt, sodass Zugang auch hier erst am nächsten Morgen angenommen wird Bestellung und Widerruf somit gleichzeitig zugegangen
>>>>Gem. 130 I 2 BGB WE rechtzeitig widerrufen worden
>>>>
>>> **Vertragsschluss** **<span style="color:red">(-)</span>**

>> **Zwischenergebnis**
>>Anspruch erworben **<span style="color:red">(-)</span>**

**Ergebnis**
S Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gem. § 433 II BGB **<span style="color:red">(-)</span>**
##### 5. Formulierungsvorschlag
##### 6. Formulierungsvorschlag Fallabwandlung
**Zugang**
Im Gegensatz zum Ausgangsfall ist die erste Willenserklärung des A erst um 22.00 Uhr eingegangen. Eine Willenserklärung gilt erst dann im Sinne des § 130 I 1 BGB zugegangen, wenn sie derart in den Machtbereich des Empfängers gelangt, dass unter gewöhnlichen Umständen mit der Kenntnisnahme gerechnet werden kann. Zwar ist die Bestellung um 22.00 Uhr in den Machtbereich des S gelangt, jedoch fehlt um diese Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen die Möglichkeit von dieser Bestellung Kenntnis zu nehmen. Vielmehr ist dies erst zu Geschäftsbeginn, also folglich am nächsten Morgen zu erwarten. Laut Sachverhalt nimmt S zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich von der Bestellung Kenntnis. Das Angebot ist dem S am nächsten Morgen zugegangen.
**Widerruf**
Wie im Ausgangsfall liegt das Problem auch hier bei der Frage, ob der Widerruf des A rechtzeitig im Sinne des § 130 I 2 BGB erfolgt ist. Das oben dargestellte, gilt auch für den Widerruf. Auch dieser wurde außerhalb der Geschäftszeiten versandt, so dass der Zugang auch hier erst am nächsten Morgen angenommen wird. Bestellung und Widerruf sind somit gleichzeitig zugegangen. Gemäß § 130 I 2 BGB ist die Willenserklärung somit rechtzeitig widerrufen worden.
Zwischen A und S wurde folglich kein Kaufvertrag im Sinne des [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) geschlossen, S hat den Anspruch auf Kaufpreiszahlung und Abnahme der Kette somit nicht erworben.
**Ergebnis**
S hat gegenüber A keinen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß § 433 II BGB.
DELETIONS
##### 2. Lösungsskizze
##### 3. Formulierungsvorschlag
##### 4. Lösungskizze Abwandlung
Revision [25cc6aa]
Bearbeitet am 2012-12-19 19:36:28 von Fanny Schneider
ADDITIONS
>>>>>>>[Die Lösung zum Download als PDF gibts hier!](/files/FallWeihnachtsgeschenk/Fall_8.pdf)
S könnte gegenüber A einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises und Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) haben.
Dies setzt voraus, dass er den Anspruch erworben und nicht verloren hat und dieser durchsetzbar ist.
**A. Anspruchserwerb**
S könnte den Anspruch gegenüber A gemäß [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben haben.
Dies ist der Fall, wenn zwischen S und A ein Vertrag geschlossen wurde, der inhaltlich ein Kaufvertrag ist und dieser wirksam ist.
>> **I. Vertragsschluss**
>>S und A könnten einen Vertrag durch Angebot und Annahme geschlossen haben. Dies setzt zwei übereinstimmende Willenserklärungen, Angebot ([**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html)) und Annahme ([**§ 147 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__147.html)) voraus, wobei die Annahme zu einem Zeitpunkt erfolgen muss, in der das Angebot noch bindend war ([**§ 146 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__146.html)).
>>> **1. Angebot durch A**
>>>Das Fax des A könnte ein Angebot auf Abschluss eines Vertrages darstellen. Dies ist der Fall, wenn hierdurch eine
>>>Willenserklärung abgegeben wurde, die inhaltlich ein Angebot i.S.d. [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) darstellt und S diese ohne zwischenzeitlichen
>>>Widerruf zugegangen ist.

>>>> **a) Abgabe eines Angebots durch A**
>>>>>Mit Übersendung des Faxes mit allen Bestandteilen des beabsichtigten Vertrages an S hat A eine Willenserklärung
>>>>>abgegeben, die inhaltlich einen Antrag im Sinne des [**§ 145 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__145.html) darstellt.

>>>> **b) Zugang**
>>>>>Gemäß [**§ 130 I 1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) wird eine empfangsbedürftige Willenserklärung unter Abwesenden erst in dem Zeitpunkt
>>>>>wirksam, in dem sie dem Adressaten zugeht. Zugegangen ist sie dann, wenn sie derart in den Herrschaftsbereich des
>>>>>Empfängers gelangt, dass diesem unter gewöhnlichen Umständen die Kenntnisnahme möglich ist. Die Bestellung per
>>>>>Fax um 11.00 Uhr ist laut Sachverhalt wenige Minuten nach dem Absenden bei S ausgedruckt worden. Die
>>>>>Willenserklärung des A ist folglich wenige Minuten nach 11.00 Uhr in den Herrschaftsbereich des S gelangt. Der
>>>>>Zugang ist vollendet, wenn mit der Kenntnisnahme zu rechnen ist. Bei geschäftlichen Erklärungen, die während der
>>>>>üblichen Geschäftszeiten eingehen, gilt die konkrete Eingangszeit als Zeitpunkt des Zugangs. Das Fax des A ist
>>>>>wenige Minuten nach 11.00 Uhr morgens, also während der üblichen Geschäftszeit eingegangen. Eine Kenntnisnahme
>>>>>war zu dieser Uhrzeit unter gewöhnlichen Umständen also möglich. Demnach ist das Angebot des A dem S folglich
>>>>>zugegangen.

>>>> **c) Widerruf**
>>>>>Zweifelhaft ist jedoch, ob A durch sein zweites Fax um 15.00 Uhr seine Willenserklärung widerrufen hat. Dies ist
>>>>>gemäß [**§ 130 I 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) der Fall, wenn der Erklärende seine Willenserklärung widerruft und dieser Widerruf rechtzeitig
>>>>>erfolgt.

>>>>> **aa) Widerruf der WE**
>>>>>Die Wortwahl &#8222;widerrufen&#8220; ist nicht entscheidend, vielmehr genügt es, dass im vorliegenden
>>>>>Fall durch Auslegung der Willenserklärung [**§ 133 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html) des A ermittelt werden kann, dass er an seiner Erklärung, die
>>>>>Kette zu bestellen, nicht mehr festhalten möchte. Die von A gewählte Wortwahl seine Bestellung &#8222;zu
>>>>>stornieren&#8220; steht dem [**§ 130 I 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) nicht entgegen.

>>>>> **bb) Rechtzeitigkeit**
>>>>>Fraglich ist jedoch, ob dieser Widerruf rechtzeitig eingegangen ist.
>>>>>Laut Sachverhalt ging der Widerruf wenige Minuten nach 15.00 Uhr bei S ein. Wie zuvor dargestellt, ging die
>>>>>Bestellung der Kette jedoch bereits wenige Minuten nach 11.00 - also deutlich vorher - bei S ein. Fraglich ist an dieser
>>>>>Stelle, ob es Auswirkungen hat, dass S von der Willenserklärung des A, zum Zeitpunkt als er vom Widerruf
>>>>>erfährt, noch keine Kenntnis erlangt hatte. S erlangt also demnach noch vor der Willenserklärung des A von dessen Widerruf
>>>>>Kenntnis.
>>>>>Aus dem Wortlaut des [**§ 130 I 2 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) folgt jedoch, dass der Widerruf vor oder gleichzeitig mit dem Zugang der Willenserklärung
>>>>>zu erfolgen hat. Entscheidend ist folglich nur der eigentliche Zugang, nicht die tatsächliche
>>>>>Kenntnisnahme der zugegangenen Erklärung. Die Reihenfolge der tatsächlichen Kenntnisnahme der
>>>>>Willenserklärungen spielt für den Widerruf keine Rolle. Vielmehr liegt die Entscheidung, wann der Empfänger über
>>>>>eine gemäß [**§ 130 I 1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__130.html) zugegangenen Willenserklärung tatsächlich Kenntnis nimmt zu seiner persönlichen Sphäre
>>>>>und ist für den Absender unerheblich. Der Widerruf ist demnach nicht rechtzeitig bei S eingegangen.
>>>>>Die Willenserklärung ist folglich nicht vor oder gleichzeitig mit ihrem Zugang widerrufen worden.
>>>>>(Hinweis: Hier wurde der h.M. gefolgt, eine andere Auffassung ist vertretbar)

>>>> **d) Es liegt ein Angebot seitens A vor.**
>>> **2. Annahme durch S**
>>>S hat das Angebot auf Abschluss des Vertrages angenommen.

>>> **3. Annahmefähigkeit**
>>>Das Angebot war zudem zum Zeitpunkt der Annahme noch annahmefähig.
>>> **4. Übereinstimmung**
>>>Das Angebot des A sowie die Annahme stimmen auch überein.
>>> **5. S und A haben folglich einen Vertrag geschlossen.**


>> **II. Inhalt**
>>Dieser Vertrag stellt inhaltlich einen Kaufvertrag im Sinne des [**§ 433 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) dar.
>> **III. Wirksamkeit**
>>Es sind keine Wirksamkeitshindernisse ersichtlich.
>> **IV. Zwischenergebnis**
>>S hat den Anspruch gegen A gemäß [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html) erworben.

**B. Anspruchsverlust**
S hat den Anspruch nicht verloren.
**C. Durchsetzbarkeit**
Der Anspruch ist zudem durchsetzbar.
**D. Ergebnis**
S hat einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 389 &#8364; sowie auf Abnahme der Kette gemäß [**§ 433 II BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__433.html)
##### 4. Lösungskizze Abwandlung
Revision [a239a04]
Die älteste bekannte Version dieser Seite wurde von Fanny Schneider am 2012-12-12 17:06:21 erstellt
ADDITIONS
### Fallbeispiel 8 - Weihnachtsgeschenk
##### Widerruf von Willenserklärungen
##### A. Sachverhalt
Antonius (A) hat noch immer kein Weihnachtsgeschenk für seine Freundin Constanze (C). Da C ein großer Tierfreund ist, bestellt A beim Schmuckhändler (S) eine Kette mit einem Schildkröten-Anhänger zum Kaufpreis von 389 &#8364;. Das Fax sendet A um 11.00 Uhr morgens ab. Als A von Karola (K), der besten Freundin der C erfährt, dass auch sie der C diese Kette schenken möchte, schickt A um 15.00 Uhr ein weiteres Fax an S um seine Bestellung zu stornieren. Die Schreiben werden jeweils wenige Minuten nach dem Absenden durch das Faxgeräte bei S ausgedruckt. Aufgrund des Vorweihnachtstrubels ist S jedoch so sehr in seine Arbeit vertieft, dass er erst gegen 16.00 Uhr beide Faxe aus der Ablage des Faxgerätes entnimmt. Da diese oben auf liegt, liest S zunächst die Stornierung und erst dann die Bestellung, die A bereits um 11.00 versandt hatte.
S ist überzeugt, dass die Stornierung unwirksam ist, da diese unzweifelhaft erst nach der Bestellung bei ihm eingegangen sei. Dies könne man der aufgedruckten Eingangszeit der Faxe eindeutig entnehmen. Er verlangt von A daher die Zahlung des Kaufpreises sowie die Abnahme der Kette.
##### B. Frage(n)
Zu Recht?
##### C. Lösung
##### 1. Grafische Skizze
##### 2. Lösungsskizze
##### 3. Formulierungsvorschlag