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Ablauf einer Mediation


Mediation ist kein einstufiges oder eindimensionales Werkzeug. Die mittlerweile erprobten, komplexen Regeln dieser in der gegenwärtig praktizierten Form noch recht jungen Methode zur Konfliktlösung können nur im Verfahrenskontext sinnvoll erklärt werden. Dementsprechend werden nachstehend die einzelnen Schritte und die im Zusammenhang mit diesen Schritten zu beachtenden Prinzipien, Techniken und Verhaltensweisen erläutert.

A. Überblick über das Mediationsverfahren

 (image: https://wdb.fh-sm.de/uploads/MediationAblauf/064_mediation_ablauf.png)


B. Vorbereitung
Zunächst müssen die Konfliktparteien Kontakt zum Mediator aufnehmen. Vorher kann es keine Mediation geben. Für viele ist Mediation auch erklärungsbedürftig - hier kann dieses Instrument den Parteien allgemein erklärt werden. Der Mediator muss sich auch entsprechend zu Parteien, Konfliktart und -umfeld auf die Mediation vorbereiten.

 (image: https://wdb.fh-sm.de/uploads/MediationAblauf/065_mediation_vorbereitung.png)

C. Phase 1: Einleitung
Zu Beginn der Mediation sind in erster Linie die Rollen, die Aufgabe der Mediation im konkreten Fall zu klären. Die Parteien und der Mediator müssen für den späteren Verlauf vereinbaren, dass sie an der Lösung arbeiten wollen. Sie müssen ebenfalls gemeinsam die Spielregeln bestimmen und vereinbaren, dass sie sich daran halten werden. Damit ist die erste Phase ein Fundament der gesamten Mediation. Es ist zwar noch nichts über dem Boden zu sehen, aber bei Fehlern an dieser Stelle bricht später alles zusammen, die Mediation wird keinen Erfolg haben.

Es ist insbesondere die Klärung notwendig:
  • was ist Mediation -> was ist der Wissensstand der Parteien über Mediation? (am Ende müssen Grundregeln klar sein!)
  • welche Rolle hat der Mediator = er ist ein neutraler Dritter, der die Kommunikation nur steuert und begleitet! Also: die falsche Vorstellung (Schiedsrichter?) muss unbedingt vermieden werden. Erwarten die Parteien etwas, was Mediator nicht kann (z.B. Schiedsrichter, Entscheidung eines Dritten, meine Position durchsetzen), muss der Mediator an die zuständige Stelle verweisen (RA, Berater, Therapeut).
  • welche Rolle haben Dritte in Gesprächen? (können zulässig sein, wenn Parteien dies wünschen - z. B. Berater, Experten, Gutachter etc.)

Regeln der Kommunikation:
- jeder darf ausreden
- andere hören aufmerksam zu
- gleiche Redezeiten
- Mediator interveniert bei falschen Verhaltensweisen (Beleidigungen, Unterstellungen)
- Sitzungen / Gespräche sind vertraulich
Sofern die erste Sitzung zu lang oder zu abstrakt werden sollte, kann es sinnvoll sein, die Kommunikationsregeln zum späteren Zeitpunkt vorzustellen.

Im Falle der ersten Sitzung mit den Parteien ist zu empfehlen, dass sie nach Möglichkeit das gewohnte Konfliktumfeld verlassen (z. B. die Arbeitsstelle, das Büro einer Konfliktpartei etc.). In jedem Fall muss bereits hier ein neutrales Terrain gewählt werden - mehr dazu bei äußerem Rahmen.

Insgesamt lässt sich die erste Phase der Mediation wie folgt kurz zusammenfassen:
 (image: https://wdb.fh-sm.de/uploads/MediationAblauf/066_mediation_einleitung.png)

D. Phase 2: Identifizierung der (problematischen) Themen
Der erste inhaltliche Schritt wird in der zweiten Phase vorgenommen, in der mehr oder weniger der Umfang der Mediation geklärt werden muss. Mit ihr beginnt die eigentliche Konfliktbehandlung. Die Themen werden benannt und dienen als "Fahrplan" der Mediation - ihr Ende ist erst erreicht, wenn alle Themen abgearbeitet wurden.
Sind alle Themen genannt, legen die Parteien gemeinsam fest, in welcher Reihenfolge die Themen bearbeitet werden sollen (mit dem dringendsten? mit dem einfachsten beginnen?). Allerdings bleibt die Liste offen und kann später vervollständigt werden, wenn einer Partei Themen einfallen!

Bei der Themensammlung ist Visualisierung an der Tafel / auf einem Flipchart sinnvoll. Wird dabei das Platz durch die Parteien geteilt (z. B. in Form einer Tabelle oder in Form von Spalten) müssen die Parteien stets gleichmäßig berücksichtigt werden!

Wichtig ist auch, dass alle in die Liste aufgenommenen Themen in die Zukunft gewandt sind - keine Vergangenheitsbewältigung, Schuldbearbeitung bei Zielen! Insbesondere in diesem Zusammenhang kann die Unterstützung des Mediators bei Formulierung sinnvoll sein, wobei der Mediator das jeweilige Thema so formuliert, dass es in die Zukunft weist. Auch, wenn den Parteien kurze Stichworte nicht einfallen und sie nur das Thema erzählen, kann der Mediator dieses Thema zu einem Stichwort zusammenfassen.

Neben der Unterstützung für Formulierung der Themen überwacht der Moderator lediglich - ob die Kommunikation freundlich ist, ob die Parteien "auf den Punkt kommen". Er stellt auch sicher, dass sich die Parteien gleichmäßig beteiligen - jeder nennt, was er bearbeitet haben möchte (ungestört!).

Zusammenfassend:
 (image: https://wdb.fh-sm.de/uploads/MediationAblauf/067_mediation_themenidentif.png)

E. Phase 3: Ermittlung der Interessen und Bedürfnisse auf beiden Seiten
Wenn dem Mediator das Harvard-Konzept bekannt ist, ist ihm auch bekannt, dass das Denken in Positionen zu nichts führen kann - die Interessen sind für die Konfliktlösung entscheidend! An dieser Stelle ist auch bei Mediation anzusetzen. Deshalb müssen sich alle Beteiligten - insbesondere aber der Mediator - in der 3. Phase auf die Interessen als entscheidende Faktoren konzentrieren.

Sind dabei während der Themensammlung mehrere Themen genannt worden, dann sollten die Beweggründe, Motive für jedes Thema separat erfragt und identifiziert werden.

Die potentiellen Interessen und Bedürfnisse müssen nach Möglichkeit auch korrekt eingeschätzt werden. Je grundlegender das jeweilige Bedürfnis ist, desto wahrscheinlicher die Gefahr, dass eine Konfliktpartei auf dessen Beachtung besteht. Für die Rangfolge kann z. B. die Pyramide nach Maslow herangezogen werden. Demnach sollten die einzelnen Bedürfnisse im Allgemeinen wie folgt betrachtet werden (die zuletzt genannten haben größere Bedeutung, sind grundlegender):
- Religion, Selbstverwirklichung,
- Wertschätzung durch andere
- soz. Kontakte, Beziehung, Sexualität
- Sicherheit (z.B. Arbeitsplatz)
- Physiologie: Nahrung, Kleidung, Wohnung

Die in der vorangegangenen Phase genannten Themen beziehen sich eher auf Positionen. Diese dürfen mit Interessen nicht verwechselt werden. Dies kann folgendes Beispiel veranschaulichen:
Positionen sind:
Partei 1: ich will 1.000 EUR erhalten
Partei 2: ich will nichts zahlen
Interessen hingegen sind:
Partei 1: ich will Genugtuung für meine Schmerzen
Partei 2: ich will meine Schuld nicht zugeben

Mit anderen Worten ist hier das Ziel die Antwort auf die Frage, was die Parteien wirklich benötigen / wollen? Dies soll dem Mediator klar werden, aber ebenso der jeweils anderen Partei.

Das entscheidende Mittel ist dabei die Nachfrage. Bei Problemen kann der Mediator die Eskalation dadurch verhindern, dass er das Gespräch verlangsamt (wie soll ich das verstehen? habe ich das richtig verstanden?). Er muss auch unbedingt dafür sorgen, dass eventuelle Missverständnisse beseitigt werden. Würdigt der Mediator die Interessen der jeweiligen Personen, dann können auch die Parteien besser nachvollziehen, dass die Interessen / Bedürfnisse der jeweils anderen Seite auf Verständnis stoßen.

Zum Festhalten der Interessen und Bedürfnisse ist Visualisierung ratsam - später muss eine Möglichkeit der Überprüfung bestehen, ob die geäußerten Interessen berücksichtigt wurden. Die Dokumentation ist also auch aufbewahren!

Zusammenfassung zur Phase 3:
 (image: https://wdb.fh-sm.de/uploads/MediationAblauf/068_mediation_interessenermittlung.png)

F. Phase 4: Erarbeitung von Optionen und Lösungen
Im nächsten Schritt sollen die Parteien gemeinsam und bei Bedarf mit Hilfe des Mediators Lösungen erarbeiten. Zunächst kann mit Optionen begonnen werden. Durch Bewertung der Optionen entstehen - wenn es gelingt - Lösungen.

Am Anfang sollte ein Brainstorming stehen. Dabei gelten insbesondere folgende Regeln:
  • keine Bewertung
  • auch sinnloseste Beiträge willkommen!
  • mindestens Flipchart zur Visualisierung nutzen!

Bei der Auswahl der Lösungen in problematischen Fällen sind folgende Ansätze denkbar:
- wird eine Idee durch beide (alle) Seiten für richtig befunden - mit ihr ist weiter zu machen,
- bei mehreren tragbaren Vorschlägen - nur Reihenfolge der Bearbeitung wird festgelegt; alle werden zu Ende geführt,
- wenn kein Vorschlag gemeinsamen befürwortet wird - der Mediator bittet am besten jeweils die am besten bewertete Lösung der anderen Seite zu bearbeiten.

In rein technischer Hinsicht ist bei der Bewertung von Optionen bzw. Lösungen die sog. Ein-/Mehrpunktabfrage besonders hilfreich. Dabei kleben oder malen die Teilnehmer an den an der Tafel befindlichen Lösungen Punkte. Entweder hat jeder mehrere Punkte zu vergeben oder jeweils nur einen.

Der Mediator sollte stets versuchen, die Parteien zur "Erweiterung des Kuchens" zu animieren. Die Parteien neigen stets zum Verteilungskampf, der nicht zielführend ist. Gelingt es, bei der Mediation neue Felder zu entdecken, auf denen beide Parteien mehr erreichen können, dann ist eine (belastbare) Einigung möglich. Deshalb ist es sinnvoll, dass der Mediator ausdrücklich darauf hinweist, dass woanders auch gesucht werden kann - insbesondere nach ungenutzten Ressourcen.

Am Ende dieser Phase steht eine Lösung, die nur noch formal zu prüfen und festzuschreiben ist.

Zusammenfassung:
 (image: https://wdb.fh-sm.de/uploads/MediationAblauf/069_mediation_loesungen.png)

G. Abschluss einer Vereinbarung
Sind Lösungen erarbeitet und ausgewählt, sollen sie in einer Abmachung festgehalten werden. Damit sollen sich die Parteien zum bestimmten Lösungsweg verpflichten. So kann das Mediationsverfahren mit einem entsprechenden Vertrag abgeschlossen werden. Bevor ein Vertrag jedoch unterzeichnet wird, fasst der Mediator die erzielten Ergebnisse in einem Memorandum. Darin ist das Ergebnis auf eine für Parteien verständliche Weise zusammengefasst. Aus dem Memorandum kann z. B. ein Jurist ein belastbares Vertragswerk erstellen.

Zwischen dem Memorandum und der Vereinbarung sind noch weitere Abstimmung zwischen den Parteien oder Konsultation der Parteien mit Experten, Beratern möglich. Danach kann meist eine durch die Parteien getragene Lösung als rechtlich verbindliche Vereinbarung abgeschlossen werden.

Zum Schluss sollte immer Feedback eingeholt werden. Zum einen als Qualitätssicherung für den Mediator, zum anderen soll für das Verhältnis zwischen den Parteien ein positiver Akzent gesetzt werden. Dies ist im Rahmen eines Rituals denkbar (Pfeife Rauchen?) aber nicht zwingend. Entscheidend sind eine nach Möglichkeit intakte persönliche Beziehung zwischen den Parteien, Respekt voreinander und nachhaltig angenehmer Eindruck von der Prozedur. Dies gelingt am besten, wenn die Parteien eine Gelegenheit erhalten, sich gegenseitig zu würdigen. Sie können dazu z. B. mit einer Frage "was war Ihrer Meinung nach der entscheidende Einsatz der anderen Partei für die einvernehmliche Lösung?" Gelegenheit erhalten.

Zusammenfassung:
 (image: https://wdb.fh-sm.de/uploads/MediationAblauf/070_mediation_abschluss.png)




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